Kultur : Der orange Sonnenball am Horizont Kreisspiele: Das Frühwerk

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Foto: Katharina Eglau
Foto: Katharina Eglau

Ihrem späteren Mann begegnete Renata Camaro als Studentin an der Berliner Hochschule der Bildenden Künste, wo Alexander Camaro als Professor lehrte. Welchen Einfluss der Tänzer, Artist und Maler auf die Mittzwanzigerin hatte, erzählt die gemeinsame Biografie: Nach der Heirat 1966 war Renata Camaros Assistentin, doch malte sie selbst kontinuierlich weiter. Als Camaro 2002 starb, hielt die Witwe das künstlerische Erbe ihres Mannes zusammen. Wie gut ihr dies gelang, dokumentierte die Camaro-Stiftung bereits mit einer großen Ausstellung. Dass aber auch die Künstlerin ein autonomes Werk vorweisen kann, zeigt nun eine Ausstellung mit ihren frühen Werken in den Räumen der Stiftung.

Gemälde wie „Wolken über New Orleans“ (1962) zeigen ihr Faible für das Abstrakte. Vage lässt sich eine neblige Stadtlandschaft erkennen – und viel klarer noch, welche Aufmerksamkeit Renata Camaro der Farbe entgegenbringt. Sie wird geschichtet, mit Pigmenten in anderen Tönen verunklärt und in Kreis- oder Rechteckform gebracht. Proportionen sind wichtiger als jeder narrative Realismus. Dennoch glaubt man hier ein Stück braunen Zaun, dort einen blauen Streifen Horizont und darunter einen orangen Sonnenball zu erkennen. Gleichzeitig stehen sich diese Elemente auf der Leinwand als autonome Farbfelder gegenüber, die miteinander kommunizieren. Ein sinnlich-stofflicher Eindruck, der nicht von ungefähr kommt.

Vor ihrer Ankunft in Berlin hatte die 2009 verstorbene Künstlerin ein Studium für Druckgestaltung in Krefeld absolviert. An der Textilschule unterrichteten in den Fünfzigern Georg Muche, einst Leiter der Webereiklasse am Bauhaus, und Elisabeth Kadow. Von ihnen hat Renata Camaro viel gelernt. Vor allem deshalb verbindet sich in ihrer Arbeit das Textile mit dem Malerischen auf eine so wundersame Art. Christiane Meixner

Camaro-Stiftung, Potsdamer Str. 98a, bis 13. 7.; Di–Sa 13–17 Uhr.

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