Kultur : Der Passagier

Wenn es um die politischen Bedrängungen in der DDR der fünfziger und sechziger Jahre geht, fällt ziemlich schnell der Name Manfred Bielers. Sein Roman "Maria Morzeck oder Das Kaninchen bin ich", der 1969 erschien, gehört zu den wichtigen Dissidententexten dieser Zeit. Eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Schriftstellerverband der DDR musste Bieler, der am 3. Juli 1934 in Zerbst/Anhalt geboren wurde, nach seinem Protest gegen die Niederwerfung des Ungarn-Aufstandes aufgeben. 1964 siedelte er nach Prag über. Kurz nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes im August 1968 emigrierte er in die Bundesrepublik.

Bielers erfolgreichster Roman war der vor dem Hintergrund turbulenter Ereignisse der Hitlerzeit in Prag spielende "Mädchenkrieg" aus dem Jahr 1975, der unter der Regie von Bernhard Sinkel auch bald verfilmt wurde. Daneben fanden auch "Der Passagier" (1971) und "Der Kanal" (1978), der in der Münchner Schickeria spielt, viele Leser. 1989 erschien sein autobiografisches Buch "Still wie die Nacht. Memoiren eines Kindes", in dem er traumatische Erfahrungen seiner Kindheit bis zum Schuleintritt auslotete. In den letzten Jahren war es um Bieler, abgesehen von der kontroversen Diskussion um "Still wie die Nacht" im "Literarischen Quartett", merklich ruhiger geworden.

Bieler zeichnete seine Figuren immer vor dem Hintergrund real erlebter Zeitgeschichte. Dabei verknüpfte er häufig realistische und symbolische Erzählformen. "Für den politischen Standort eines Autors ist es entscheidend, was die eigene Biografie mit ihm angestellt hat", war seine Ansicht. Nach langer Krankheit ist Manfred Bieler, wie erst jetzt bekannt wurde, am 23. April in München gestorben.

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