Kultur : "Der philharmonische Salon": Rosen und Dornen

Sybill Mahlke

Der rare Anblick, die Ränge im Kammermusiksaal der Philharmonie gefüllt zu sehen, entzückt das Herz. So ist der neuen Serie "Der philharmonische Salon" ein günstiger Start beschert. Auch liegt es nahe, mit einem der bekanntesten historischen Berliner Salons zu beginnen, dem der Fanny Hensel in der Leipziger Straße. Die Sonntagsmusiken im Hause Mendelssohn / Hensel geben da hundertfältigen Stoff. So kommt ein Konzert zustande, das bekundet, wie, um mit der "Zauberflöte" zu sprechen, "Rosen stets bei Dornen" sind.

Rosen blühen, wo die Musik das Hauptthema bildet. "Für Klavier zu vier Händen arrangirt vom Componisten" erklingt zum Beispiel die "Sommernachtstraum"-Ouvertüre von Felix Mendelssohn Bartholdy, und die beiden Interpreten Cordelia Höfer und Arkadi Zenzipér legen sich mächtig ins Zeug - ohne Verlust von Intimität in den huschenden Regionen des Leisen.

Als Noten-Umwender dient dem Klavierduo der philharmonische Cellist Götz Teutsch, dem Konzeption und Programmgestaltung der "Salon"-Reihe zu verdanken sind. Literatur und geistvolle Unterhaltung, gehören hier dazu und haben in Imogen Kogge und Gerd Wameling einfühlsame Rezitatoren. Da darf auch nicht fehlen, wo im Hause Mendelssohn die Dornen, der konfliktreiche Umgang mit dem Antijudaismus ihre Sprache finden. Der berühmte Brief Abraham Mendelssohns an seinen Sohn Felix wird gelesen, in dem der Vater sich mit der Namensgebung befasst. Abraham geht es um Integration, er nennt es ein "Unrecht", den Namen Bartholdy zu unterdrücken.Seine Sorge wird verstehen, wer die antisemitischen Äußerungen des Goethe-Freundes Zelter dagegenhält. Es ist vorläufig der "normale" Antijudaismus der Gebildeten, es als Rarität zu bespötteln, "wenn aus einem Judensohne ein Künstler würde".

Goethe- und Heine-Lieder Fanny Hensels, anmutig gesungen von Maria Cristina Kiehr, fallen dann wieder auf die Rosenseite, und die Bemerkung des Sohnes Sebastian Hensel über die Ebenbürtigkeit seiner Mutter mit Felix irgendwo dazwischen. Variationen über das Lied "Schöne Minka" von Johann Nepomuk Hummel bringen den Soloflötisten Andreas Blau auf die Bühne und zu schöner musikalischer Erzählkunst. Da sind die Rosen dann nicht mehr gar "so blass" wie in Fannys Heine-Lied.

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