Der Pianist Arcadi Volodos : Moment mal

Beethovens 3. Klavierkonzert spielt Arcadi Volodos beim Konzerthausorchester mit warmem, vollem, oft auch glasglockenhellen Klang. Dirigent Michael Sanderling interpretiert anschließend mit den Musikern Schostakowitsch.

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Arcadi Volodos
Arcadi VolodosFoto: Marc Egido / Sony Classical

Gelassen in seinem mächtigen Körper ruhend sitzt Arcadi Volodos vor dem Flügel und wartet auf seinen Einsatz. Währenddessen entfaltet unweit von ihm der hagere Michael Sanderling große gestische Aktivität, um die Musiker des Konzerthausorchesters auf die Einleitung zu Beethovens 3. Klavierkonzert einzuschwören. Doch nur ein Teil der physischen Energie scheint das Orchester zu erreichen. Volodos hingegen ist vom ersten Ton an mit wenig gestischem Aufwand ganz bei sich. Sein warmer, voller, aber dabei nicht schwerer und in der Höhe oft glasglockenheller Klang ist auch für die Musiker hörbar attraktiv. Sie passen sich ihm nicht nur in den Soli des zweiten Satzes, sondern bisweilen auch in einzelnen Tuttischlägen sensibel an.

Diese Momente der gemeinsamen Intensität auf längere Passagen auszudehnen, will nicht recht gelingen. Das mag auch daran liegen, dass Beethovens spröderer Orchestersatz sich weniger zu dem selbstvergessenen Festhalten am einzelnen Klang eignet, das Volodos besonders im langsamen Mittelsatz durchaus erfolgreich zelebriert. Doch fehlt es im Orchester auch an motivischer Ausarbeitung: So hat man etwa im dritten Satz nicht den Eindruck, dass die elementaren Tonrepetitionen der Violinen auf die vorangehenden, ebenso elementaren, leeren Oktavfiguren bezogen sind, die Volodos leicht tanzbärenmäßig in den Raum stellt.

Vorteilhafter präsentieren sich Orchester und Dirigent in Schostakowitschs Leningrader Sinfonie. Sanderling dirigiert hier ökonomischer, hat aber zugleich den Mut, in Sachen Lautstärke bis an die Schmerzgrenze zu gehen. Eindrucksvoll teilt sich so mit, dass der abschließende Triumph auch ein Sieg von Gewalt über Gewalt ist. Was sich zwischen den Steigerungen abspielt, besitzt weniger Dringlichkeit: Besonders das Adagio verliert sich etwas ziellos in den „Weiten der Heimat“, die Schostakowitsch als inneres Bild vorschwebten. Klanglich gelingen Sanderling beim frischen ländlichen Unisono der Geigen und den genau ausgehörten reinen Streichorchesterpassagen zwar gute Momente, doch auf den vollen Orchestersound kann er diese spezifische Ausstrahlung kaum übertragen. So, als sei er, der ehemalige Cellist, hier noch ein wenig auf der Suche nach seinem ultimativen persönlichen Ton.

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