„Der Präsident“ von Sam Bourne : Reise ans Ende der Macht

Kommt einem bekannt vor: In Sam Bournes Thriller „Der Präsident“ übernimmt ein Populist das höchste Staatsamt der USA und bringt die Welt an den Rand eines atomaren Krieges.

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US-Präsident Trump hat augenscheinlich Pate für die Hauptfigur in Sam Bournes Roman "Der Präsident" gestanden.
US-Präsident Trump hat augenscheinlich Pate für die Hauptfigur in Sam Bournes Roman "Der Präsident" gestanden.Foto: picture alliance / Evan Vucci/AP/dpa

"Es begann in der Nacht, als der Präsident das Ende der Welt einleiten wollte.“ So lautet der erste Satz von Sam Bournes Thriller „Der Präsident“. Ein populistischer US-Präsident will nachts den Nuklearangriff auf Nordkorea befehlen – was zunächst verhindert werden kann. Der Stabschef des Weißen Hauses ist alarmiert, ebenso der Verteidigungsminister. Beide dienten noch der alten Regierung. Ebenso Maggie Costello, eine Mitarbeiterin der Rechtsabteilung, die ebenfalls dem alten Präsidenten loyal ergeben war und auf ihrem Posten ausharrt, so lange es geht, um Schlimmeres zu verhindern. Ihr Chef, Crawford „Mac“ McNamara, ist der Chefberater des Präsidenten und ein Kumpan aus alten Zeiten.

Das kommt einem alles bekannt vor. Sam Bourne hat sich wenig Mühe gegeben, das Personal seines Thrillers groß zu verfremden oder neu zu erfinden. Fiktion und Realität liegen in diesem Thriller dicht beieinander. Natürlich gleichen der Präsident und sein Chefberater Donald Trump und Steve Bannon. Aber der „Der Präsident“ ist kein Sachbuch, sondern ein Roman. Trotzdem: Es wird einem schwindelig, wenn diese Fiktion nur ansatzweise die Realität wiedergibt.

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„Geschichte berichtet, wie es gewesen ist. Erzählung spielt eine Möglichkeit durch“, sagt Alfred Andersch – und so geht es einem bei der Lektüre auf Schritt und Tritt. Bourne entwickelt ein höchst spannendes Spiel um Treue und Verrat. Darum, was geht in einer Demokratie und was nicht. Ist der Tyrannenmord zu rechtfertigen? Gelten die Gesetze für alle – auch für die Guten?

Das Ende dieses in jeder Hinsicht erhellenden Romans soll hier nicht verraten werden – er ist auch ohne die aktuellen Anspielungen mitreißend bis zur letzten Seite. Bourne weiß, wovon er schreibt. Hinter seinem Namen verbirgt sich der englische Journalist Jonathan Freedland, der lange für den „Guardian“ aus den USA berichtet hat.

Sam Bourne: Der Präsident. Thriller. Übersetzt von Ruggero Leò. Bastei Lübbe, Köln 2017. 479 Seiten, 10 €.

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