Kultur : Der Preis ist heiß

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SOTTO VOCE

Jörg Königsdorf plant seinen PhilharmonikerBesuch

Eigentlich wäre es nur konsequent, wenn sich die Bahn endlich als Großsponsor bei den Berliner Philharmonikern engagieren würde. Schließlich liegt erstens der Bahntower am Potsdamer Platz in Hörweite der Philharmonie, zweitens hat Simon Rattle beim weltbesten Orchester auch gerade so etwas wie ein „Unternehmen Zukunft“ eingeläutet, und drittens schließlich haben sich beide Unternehmen seit einiger Zeit die Herkulesaufgabe gestellt, ihre Kunden zu planvollem Verhalten zu erziehen. Nicht nur beim Schienentransport, sondern auch beim Konzertbesuch gehören die Zeiten nämlich der Vergangenheit an, als man einfach so im Vertrauen auf eine ewig gleiche Preisstruktur an die Schalter gehen konnte.

Wer sich etwa kurz entschlossen am letzten Samstag in die Philharmonie aufmachte, erlebte an der Kasse eine Überraschung: Während die Folgekonzerte am Sonntag und Montag als normale Aboveranstaltungen ausgewiesen waren, mussten die Besucher des freiverkäuflichen ersten, zum „Sonderkonzert“ geadelten Abends einen saftigen Aufpreis von teilweise über zwanzig Euro bezahlen. Ein vielleicht extremer, aber kein Einzelfall. Verantwortlich ist auch diesmal Ex-Intendant Franz Xaver Ohnesorg, dem die Idee zur Änderung des Preisgefüges vermutlich bei seinen Bahnfahrten zwischen Köln und Berlin gekommen ist. Rechtzeitiges Informieren und Buchen ist also angezeigt: Denn die billigeren Konzerte sind natürlich zuerst ausverkauft, Spontis bleiben entweder außen vor oder müssen tief in die Tasche greifen. Auch beim nächsten Philharmoniker-Konzert mit Pierre Boulez schlägt die Preisdifferenzierung auf die Nachfrage durch: Während für Freitag und Sonntag zu Preisen von 15 bis 53 Euro fast alle Karten weg sind, ist für die teureren Samstagnachmittagstermin (22-61 Euro) noch ein stattliches Kontingent vorhanden. Nicht nur für Bahnfahrer.

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