Kultur : Der Prinz ist da!

Nicolas Berggruens Berliner Wochenende

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Begehrter Mann. Nicolas Berggruen im Künstlerhaus Bethanien. Foto: ddp
Begehrter Mann. Nicolas Berggruen im Künstlerhaus Bethanien. Foto: ddpFoto: ddp

Eigentlich hatte es ein reines Kulturwochenende in Berlin werden sollen für Nicolas Berggruen, der sonst eher als Investor in die Heimatstadt seines Vaters reist, des 2007 verstorbenen Kunstsammlers Heinz Berggruen. Am Freitag die Eröffnung des Künstlerhauses Bethanien in der ehemaligen Lichtfabrik an der Kottbusser Straße in Kreuzberg, die nun ebenfalls der Berggruen-Holding gehört, am Sonnabend das große Dinner für den Förderkreis des Museums Berggruen. Karstadt kam unverhofft dazwischen und die Nachricht, dass der dritte BerggruenSohn, der auf der ganzen Welt Geschäfte mit dem Erwerb von Immobilien macht, das angeschlagene Unternehmen kaufen würde – wenn, ja wenn das Konsortium Highstreet als Vermieter der Filialen in ganz Deutschland mit den Mietforderungen deutlich heruntergeht. Am heutigen Montag wird weiter darüber verhandelt.

Am Wochenende aber war Berggruen Junior der Prinz aus dem Morgenland, eine Zukunftsgestalt. Überall, wo der öffentlichkeitsscheue Geschäftsmann in Berlin auftrat, schlugen ihm große Erwartungen entgegen – als Hoffnungsträger für einen angeschlagenen Konzern, als Retter des Künstlerhauses Bethanien und als Motor für den Ausbau des väterlichen Museums in Charlottenburg. Bei der Bethanien-Eröffnung hält der 49-Jährige nur eine kurze Rede und heißt die sich drängenden Gäste fast verlegen willkommen. In seinem amerikanisch geprägten Deutsch freut er sich einfach, dass alle gekommen sind, „die Kunst gern haben“.

Umso mehr gerät der Regierende Bürgermeister anschließend in Fahrt. Klaus Wowereit dankt Berggruen für die Unterstützung des Künstlerhauses, das am neuen Standort weitaus weniger Miete zahlt als bisher am Mariannenplatz. Und dann gerät er ins Schwärmen für sein Berlin, das anders als Paris, die Heimatstadt von Nicolas Berggruen, für Künstler noch bezahlbar sei und deshalb offen bleibe für alles Neue, Kreative, Internationale.

Der Auszug Berggruens aus dem Künstlerhaus wird zum Spießrutenlauf der freundlichen Art. Ständig werden dem Hausherrn Einladungen, Visitenkarten zugesteckt. „Wir sind doch jetzt Nachbarn“, erklärt der Mann vom English Theatre. „Besuchen Sie uns einmal. Unsere Stücke dauern auch nur zehn Minuten.“ „Nicolas!“, ruft Jochen Sandig und drückt ihm seine Karte in die Hand. „Wir müssen uns unbedingt treffen. Das Radialsystem könnte dich auch interessieren.“

Szenenwechsel von Kreuzberg nach Charlottenburg: Im Museum Berggruen trifft sich einen Abend später die Internationale der Sammler, Galeristen, Kuratoren, Models, Architekten und Modemenschen, die sich am nächsten Tag auf den Weg Richtung Basel zur Kunstmesse machen werden. Nicolas Berggruen genießt es, für sie alle eine große Party zu geben. Und ihm gefällt der Spagat zwischen E und U, High und Low, zwischen Nachwuchskünstlern aus dem Bethanien-Atelier und den Klassikern der Moderne. „Picasso hat schließlich auch mal klein angefangen“, sagt er.

Das Redenhalten an diesem dritten Jahrestag des Fördervereins überlässt er seinem Bruder Olivier, der ankündigt, dass der neue Flügel in zwei Jahren eingeweiht wird. Nicht einmal die halbe Sammlung sei gegenwärtig zu sehen, das soll mit dem Erweiterungsbau anders werden. Erst vergangene Woche hat er mit seinen Geschwistern für Berlin eine Picasso-Zeichnung gekauft. Nicolas hat da längst sein Jackett abgelegt – er will sich jetzt einfach nur amüsieren. Nicola Kuhn

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