Kultur : Der Rächer der Elefanten

Virtuoser Kick aus Thailand: „Revenge of the Warrior“ mit Shooting-Star Tony Jaa

Silvia Hallensleben

In den USA soll der „Segway Human Transporter“ ein Kultgefährt sein. Aber ob er wirklich bei der australischen Mafia im Fuhrpark steht? Etwas lächerlich sieht es schon aus, wenn ein eiskalter Obergangster im motorisierten Rollator zur Sitzung anreist. Vielleicht aber auch nur der Versuch, durch Ausweitung der Kampfzonen in neue technische Territorien Aktualität beweisen.

Autos, Rennboote, Rollerblades, HighTech-Räder und Quad-Buggies stehen in Prachya Pinkaews „Revenge of the Warrior“ auch auf der Liste. Vor allem aber steht ein Transportmittel im Mittelpunkt, das in Thailand fast mythische Verehrung genießt. Der Film beginnt mit idyllischen Bildern vom Landleben einer Elefantenfamilie, die erst von Wilderern dezimiert und dann zur weiteren Verwertung nach Sydney verschleppt wird.

Verwertung? Wir kennen „Tom Yam Gung“ (Originaltitel) als leckere Krabbensuppe vom Thai-Imbiss um die Ecke. Doch zumindest beim Sydneyer Restaurant gleichen Namens ist nicht ganz sicher, ob wirklich nur Garnelen oder nicht auch süße Elefantenbabys auf der Speisekarte stehen. Doch gottseindank gibt es Kham, den Elefantenrächer.

Wie schon in Prachya Pinkaews Kampfkunst-Hit „Ong Bak“ gibt auch hier der thailändische Shooting-Star Tony Jaa den einfachen Ländler auf Rachezug im Großstadtdschungel. Tony Jaa, ein gutaussehender junger Kerl mit enormer Schlag- und Tretkraft, soll angeblich selbst aus einer Elefantenhüterfamilie kommen und steht kurz vor einer weltweiten Actionkarriere. In den besten Momenten erinnert seine Präsenz wirklich an Bruce Lee, nur dass das von Jaa praktizierte Thai-Kickboxen geistig meilenweit von der Reife entfernt ist, mit der schon der junge Lee fasziniert. Dessen Kungfu war immer auch praktizierte Spiritualität, hier dagegen geht es um reine Knochenbrecherei. Technik eben! Und selbst wenn Kham am Ende seine Widersacher mit der Hilfe elefantesker Reliquien und alter Weisheiten besiegt, bleibt diese Verwurzelung seines Handelns in der Volksmythologie bloße Behauptung.

Handwerklich können atmosphärische Lichtsetzung und Kamera durchaus begeistern, dafür krankt die Montage schwer, bei der offensichtlich für den deutschen Vertrieb auch noch zwanzig aus den 109 Originalminuten herausgekürzt wurden. Sicherlich haben Actionfilme naturgemäß immer auch etwas von Nummernrevue. Doch „Revenge of the Warrior“ sieht über weite Strecken so aus wie ein Computerspiel, in dem sich die Boxkünste des Helden nackt und ungeschnitten an den wechselnden Kampfkunststilen der Gegner abarbeiten müssen. So beeindruckt an der Regieleistung vor allem eine über vierminütige ungeschnittene Einstellung, in der sich Kham langsam die fünf Stockwerke des guggenheimspiralig angelegten Restaurants hocharbeiten muss, dessen Hinterzimmer mit übelwollenden Widersachern gespickt sind.

Zusätzlich lustmindernd ist die billige Synchronisierung, die den Film über lange Strecken so klingen lässt, als sei er in indirekter Rede erzählt. So dürfte die aktuell im Kino angebotene Fassung nur die befriedigen, die sich freuen, wenn’s nur schön kracht. Tony Jaa wäre für seinen nächsten Film eine Produktionsumgebung zu wünschen, die seinem Talent auch inhaltlich auf die Sprünge hilft.

Cinemaxx Colosseum, Hohenschönhausen und Potsdamer Platz, Cinestars Treptower Park und Hellersdorf, UCI Kinowelt am Eastgate

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