Kultur : Der Regierungs-TÜV: Personal

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Bei keiner Frage war das Urteil der Jury so umstritten wie bei dieser: Was ist vom rot-grünen Führungspersonal zu halten? Zunächst wurde der hohe Verschleiß der Minister negativ gewertet. Sieben gingen - aber es kamen schnell auch sieben neue. Bei näherem Hinsehen haben einige Wechsel zu größerer Stabilität geführt: Durch die Abgänge von Lafontaine, Hombach und Müntefering aus den Ministerämtern konnte Eichel zur erstrangigen Vertrauensperson finanzpolitischer Solidität wachsen.

Im Kanzleramt kann Frank-Walter Steinmeier nun seine Qualitäten beweisen - allerdings mit einem Nachteil: Wenn er zwei Tage auf Reisen ist, geht es immer noch schnell drunter und drüber. Müntefering sitzt als SPD-Generalsekretär auf dem richtigen Platz: Niemand kann wie er der SPD das Gefühl geben, sie sei an allen Entscheidungen beteiligt. Übrigens vermittelt zusehends auch Peter Struck diese Überzeugung in der SPD-Bundestagsfraktion. Die Rochade zwischen Gesundheit und Landwirtschaft sieht auf dem Verbraucherposten vielversprechend aus. Bei der neuen Gesundheitsministerin herrscht nach positiver Würdigung von Ulla Schmidt als Fraktionsvize - sie hat oft Arbeitsminister Riester uneigennützig vor Unheil bewahrt - noch Reserve.

Zweifellos hat das Kabinett neben tüchtigen Fachministern wie Otto Schily mehrere Schwach- und Blass-Stellen. Die größte Auffälligkeit hat in dieser Hinsicht Walter Riester an den Tag gelegt. Aber kommt es darauf an? Der Kanzler und sein Vize wissen, dass in der Mediendemokratie Vertrauen in die Politik über die Spitzenpersonen entsteht. Neben seiner Lernfähigkeit ist Gerhard Schröders größte Stärke, über Journalisten hinweg und durch die Kameras hindurch mit dem Volk zu sprechen. Nach der Debatte um Fischers Vergangenheit - die dieser unter dem Strich bestanden hat - hat er den Außenminister auf Platz 1 der Popularitätslisten abgelöst. Diese Regierung hat zwei Stars. Und das ist viel.

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