Kultur : Der Retter

Eliahu Inbal, Chefdirigent des Berliner Sinfonie-Orchesters, feiert heute 70. Geburtstag

Jörg Königsdorf

Berlin ist in den letzten Jahren etwas ungerecht zu ihm gewesen. Denn auch wenn Eliahu Inbal in der von Stars wie Rattle, Nagano, Barenboim und Thielemann beherrschten Konzertszene der Stadt nur mehr die zweite Geige spielen durfte, hat die Stadt ihm doch mehr zu verdanken als den meisten anderen Dirigenten. Wer weiß, ob es das Berliner Sinfonie-Orchester ohne ihn überhaupt noch gäbe?

Damals, 1998, gab man jedenfalls kaum mehr einen Pfifferling auf den Fortbestand des Ostberliner Traditionsorchesters, das gemäß dem berüchtigten „Kreisepapier“ des damaligen Kultursenators Radunski mit dem Orchester der Komischen Oper fusioniert werden sollte. Inbals Bereitschaft, sich an die Spitze der angeschlagenen Institution zu stellen, dürfte nicht unwesentlich dazu beigetragen haben, dass diese Pläne bald in der Schublade verschwanden. Mehr noch: In der Folgezeit, schon vor seinem tatsächlichen Amtsantritt im Jahr 2001, sorgte er dafür, dass das BSO trotz starker Personalfluktuation erheblich an Spielkultur gewinnen konnte, und er hinterlässt bei seinem Abgang zum Ende dieser Saison seinem Nachfolger Lothar Zagrosek einen auch international konkurrenzfähigen Klangkörper.

Als Interpret konnte der 1936 in Israel geborene Inbal in Berlin nicht mehr an seine Glanzzeit an der Spitze des Radio-Sinfonie-Orchesters Frankfurt anknüpfen, das er von 1974 bis 1990 leitete. Seine zahlreichen Einspielungen aus dieser Zeit dokumentieren eine nüchterne, objektivierende Sicht vor allem auf die Sinfonien seines Lieblingskomponisten Gustav Mahler, aber auch auf die Werke Hector Berlioz’ und die bis dahin kaum wahrgenommenen Frühfassungen der Sinfonien Anton Bruckners. Heute feiert Eliahu Inbal, der sich auch als Operndirigent profiliert hat und 1985 bis 1990 als Chefdirigent des Opernhauses La Fenice in Venedig amtierte, seinen 70. Geburtstag.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben