Kultur : "Der Richtige" fürs Deutsche Theater

GÜNTHER GRACK

Wichtig ist ihnen die "Richtigkeit" ihrer Entscheidung: "Mit Bernd Wilms haben wir den richtigen Mann für das Deutsche Theater gefunden", erklärt Berlins Kultursenator Peter Radunski, und Wilms selbst rühmt sich nach, ihm werde allenthalben bescheinigt, "am richtigen Ort das Richtige zu tun". Am 1. August 2001 soll er, mit einem Fünf-Jahres-Vertrag, Thomas Langhoffs Nachfolge antreten. Die Entscheidung, so Radunski, sei "nach reiflicher Überlegung" gefallen, schon seit Februar habe er in Wilms einen geeigneten Kandidaten gesehen. "Wer klug ist, tut am anderen Ort nicht dasselbe", sagt der derzeitige Intendant des Maxim-Gorki-Theaters und bezeichnet als seine künftige Aufgabe: "Ein Theater mit alter Tradition ist neu zu erfinden."

Wie er das machen will, hat Bernd Wilms auf der Pressekonferenz, bei der ihn der Senator gestern als neuen Intendanten des Deutschen Theaters vorstellte, allerdings noch nicht verraten. "Kein willkürliches name-dropping", "keine langweiligen abstrakten Konzepte" - nur soviel ist klar: Wilms möchte ein Klassikertheater mit einem Theater der Gegenwartsautoren verbinden. Er habe "Lust an Entdeckungen" und ist der Meinung, das Deutsche Theater mit seinem "enormen Etat" von 38 Millionen Mark müsse mehr Inszenierungen herausbringen als nur vier Premieren pro Spielstätte wie bisher. Mit Langhoff habe er ein "sehr gutes Gespräch" gehabt und ihn dabei auch um Vermittlung zum Ensemble gebeten; um den Widerstand gegen seine Berufung zu überwinden, habe er dem Ensemble überdies in einem Brief seine "Gesprächsbereitschaft" bekundet. Veränderungen im Personalbereich seien, so Wilms, "nicht ohne Schmerzen", andererseits auch als "fröhliche Fluktuation" möglich. Sein Chefdramaturg Oliver Reese wird ihn ans Deutsche Theater begleiten, von der Deutschen Oper hat Wilms als geschäftsführenden Direktor André Schmitz gewonnen. Für Stefan Otteni und sein junges Team hoffe er, daß der Umbau der Kammerspiele zu einem variablen Theaterraum - "so oder auch ein bißchen anders" - sich nicht allzusehr verzögere, um bald Erfahrungen damit sammeln zu können. Eine "Art Unter-Intendanz" (nach Thomas Ostermeiers Beispiel an der DT-Baracke) will sich Wilms "nicht vorstellen".

Und was wird aus dem Maxim-Gorki-Theater? Senator Radunski, der, nebenbei bemerkt, den Restitutionsanspruch der Berliner Singakademie auf ihr altes Domizil für aussichtlos hält, will den Wilms-Nachfolger im Herbst benennen. Hoffentlich trifft er eine "richtige" Wahl . . .

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