Der Ringer : Liebesgrüße nach Berlin

Hamburgrock: Der Ringer wollen mehr sein als bloß die nächste Tocotronic. Jetzt ist die Band mit ihrem Debütalbum "Soft Kill" im Berliner Club Acud macht neu aufgetreten.

Die fünf Bandmitglieder von Der Ringer.
Die fünf Bandmitglieder von Der Ringer.Foto: Markus Alexander Voigt

Vor Kurzem noch konnte es im deutschsprachigen Indierock nicht schrammelig und krachig genug zugehen und die Nerven aus Stuttgart und Trümmer aus Hamburg galten als Bands der Stunde. Nun geht es in eine ganz andere Richtung. Bilderbuch aus Wien und Der Ringer aus Hamburg entdecken die großen Gefühle und sprengen das Rockformat, indem sie alles von Hip Hop bis Softpop in ihre Soundentwürfe einspeisen. Schubladen wie Hamburger- oder Wiener Schule werden gesprengt und Anleihen an die große weite Welt der internationalen Popmusik sollen den Mief der deutschsprachigen Provinz gehörig durchlüften.

An den sagenhaften Hype, den Bilderbuch gerade auslösen, kommen Der Ringer nicht heran, aber auch sie werden gerade gehörig dafür gefeiert, dass sie auf ihrem eben erschienenen Debütalbum „Soft Kill“ weit mehr versuchen, als bloß die nächsten Tocotronic sein zu wollen. Der Gesang von Jannik Schneider wird ordentlich mit Autotune verfremdet, so wie das bei den Größten der Branche, etwa bei Kanye West, immer wieder zu vernehmen ist, und man setzt gerne auch mal auf zarte Melodienbögen, die offenkundig auf den Einsatz im Radio schielen, was im handelsüblichen Indierock eher verpönt ist.

Bloß keine Posen!

Mit Berlin pflegt die Band aus Hamburg schon seit einer Weile eine besondere Beziehung. Mit den derzeitigen Lieblingen aus der Hauptstadt, mit Isolation Berlin, haben sie immerhin bereits gemeinsam eine EP aufgenommen. Doch während die Berliner nicht nur in ihrer Heimatstadt bereits größere Säle füllen, treten der Ringer vorerst noch im vergleichsweise kleinen Club des Acud macht neu in Mitte auf, in den nicht mehr als 100 Besucher passen.

Aber immerhin macht das Popquintett den Laden wenigstens ordentlich voll und es herrscht ein großes Geschiebe und Gedrängel in dem kleinen Raum, als die Band die Bühne betritt. Als die ganz großen Erneuerer des Rock mit deutschen Texten vermag man die Band live jedoch nicht so ganz zu erkennen. Das auf Perfektion getrimmte Sounddesign der Platte weicht auf der Bühne einem etwas weniger abgerundeten Klangbild, die polierten Oberflächen von Der Ringer glänzen nicht ganz so, wenn sie live erarbeitet werden müssen. Die Idee dahinter bleibt sicherlich sichtbar, die fünf auf der Bühne vermeiden jegliche Rockerposen und vor allem Sänger Jannik Schneider dreht und windet seinen Körper eher wie ein verletztes Tier als wie einer, der sein Publikum mit großen Gesten beeindrucken möchte. Aber als die Band, die so ganz anders sein möchte, als all die anderen Bands, wirken sie dann doch noch nicht.

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