Kultur : Der Rücken, der Rücken

Im Kino: Ruth Maders Harte-Arbeit-Film „Struggle“

Kerstin Decker

Die Sache bleibt lange offen. Die Bilder sind gut. Jede Handlung wäre eine Ablenkung. Ist das Leben etwa eine Handlung, gar unsere eigene? Sind wir die Hauptpersonen unseres Lebens? Sind wir nicht. Na bitte. In dieser Erkenntnis besteht das Recht des Autorenfilms. Seine Penetranz besteht darin, uns das immerzu mitteilen zu wollen. Aber der Autorenfilm ist schon zu lange tot, um böse auf ihn zu sein. Und jeder, der jemals bei einer Erdbeerernte war, weiß, dass es lohnt, über das Erdbeerernten einen Film zu machen.

Wenn man wie die Polin Ewa aus Katowice in Polen extra zur Erdbeerernte nach Österreich gefahren wird, ist das Ernten noch schwerer. Pro Kilo 0,25 Cent, Arbeitszeit 5 Uhr bis 18 Uhr, Akkord. Wer richtig fleißig ist, kann 50 Euro am Tag schaffen. Nach der Erdbeerernte kommen wir mit Ewa in eine Geflügelschlachterei. Auch wer noch nie in einer Geflügelschlachterei war, weiß bald, dass es sich lohnt, über eine Geflügelschlachterei einen Film zu machen. Man kann mit dem Geflügelessen ja anschließend Pause machen. Nach der Fleischfabrik sind wir noch beim Swimmingpool-Saubermachen und beim Volkskunst-in-Kästchen-Sortieren.

Die Österreicherin Ruth Mader hat eine Harte-Arbeit-Nummernrevue gedreht. Mit Ewa, der Polin, als Hauptarbeiterin. Dass sie Ewa heißt, weiß man nur aus dem Presseheft, denn im Film wird so gut wie nie gesprochen. Das DauerSchweigen ist Attitüde. Wer nur ein bisschen Ahnung hat vom Leben in der Produktion, weiß, dass drei stumme Frauen beim Volkskunst-in-Kistchen-Packen Unsinn sind. Und wie sie reden würden!

Maders Kunstwille nervt. Auch wenn sich am Ende doch eine Geschichte zusammensetzt, als Nicht-Geschichte natürlich. Als Film ist „Struggle“ ärgerlich, es sei denn, man entschließt sich, jedes Bild einzeln zu sehen. Keine Einstellung, die nicht perfekt komponiert ist. Ein Film aus lauter Standbildern.

In Berlin in den Kinos Brotfabrik und fsk am Oranienplatz

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