Kultur : Der Ruhm der frühen Jahre

Vom Kino-„Playgirl“ zum Boulevard-Star: Die Schauspielerin Eva Renzi ist mit 60 Jahren in Berlin gestorben

Christian Schröder

„Kein Film für alte Leute!“ Ein Film, der im Jahr 1966 mit diesem Slogan beworben wurde, hätte eigentlich alle Chancen haben müssen, ein Erfolg zu werden. Gerade begann das Pop-Zeitalter, die Beatles und die Rolling Stones waren dabei, den Musikmarkt zu revolutionieren, nie war das Jungsein aufregender. „Playgirl“ erzählt von einem Mannequin – wie Models damals noch genannt wurden –, das sich für ein paar Tage durch Berlin treiben lässt. Gespielt wird dieses Playgirl, das nach dem perfekten Mann fürs Leben oder auch nur für eine Nacht sucht, von Eva Renzi.

Sie war bei Drehbeginn gerade einmal 20 Jahre alt, eine Blondine mit Dutt und Twiggy-Frisur. Ihr burschikoser Charme ist tatsächlich umwerfend: von Harald Leipnitz über Rudolf Schündler bis Paul Hubschmid liegen ihr alle männlichen Darsteller zu Füßen. Den Zensoren der Freiwilligen Selbstkontrolle war die offensive Erotik der Hauptdarstellerin allerdings nicht ganz geheuer. Sie gaben den Film erst für Zuschauer ab 18 Jahren frei. „Playgirl“ – knalliger Untertitel: „Berlin ist eine Sünde wert“ – floppte.

Heute ist der Film, den der ehemalige Klatsch- und Skandalreporter Will Tremper inszeniert hatte, eine Legende. „Playgirl“ wird durchweht vom Geist der Nouvelle Vague, West-Berlin, das gerade erst eingemauert worden war, sieht sehr sexy und bohemehaft aus, ein Paris in märkischem Sand. Tremper arbeitete ohne festes Drehbuch, er improvisierte die Szenen von Tag zu Tag. So muss die frisch erbaute Philharmonie, noch inmitten einer gewaltigen Brache gelegen, als Schauplatz eines Mode-Fotoshootings herhalten. Aufkommende Romantik wird sofort wegironisiert. „Ich denke Tag und Nacht an dich, Liebster“, sagt Renzi zu Leipnitz. Er antwortet: „Ich fühle es, Liebste“. Die nächste Einstellung zeigt keinen Sternenhimmel, sondern den sich drehenden Mercedes-Stern über dem Kurfürstendamm.

Tremper schwärmte noch lange von seiner Hauptdarstellerin: Sie sei eine „Selbstläuferin“ gewesen. Schon in seinem Flughafen-Tempelhof-Melodram „Endlose Nacht“ (1962/63) hatte Renzi eine winzige Rolle gehabt. Am Ende lief sie von den Dreharbeiten davon, Begründung: „Sie sind mir zu unseriös, Herr Tremper.“ Renzi – bürgerlicher Name: Evelyn Renziehausen – war 1944 als Tochter eines dänischen Mayonnaise-Fabrikanten und einer Französin in Berlin geboren worden. Sie arbeitete als Telefonistin und Fotomodell, absolvierte eine Schauspielausbildung bei Else Bongers und ergatterte erste Rollen bei Erwin Piscator an der Freien Volksbühne und im Theater am Kurfürstendamm. „Playgirl“ machte sie zum Star: Beim Dreh lernte sie Paul Hubschmid kennen, sie heiratete den 24 Jahre älteren Kollegen 1967 und verschwand für die nächsten Jahre nicht mehr aus den Illustrierten.

Statt für die Kunst entschied sich Eva Renzi für den Ruhm auf dem Boulevard, sie war gewissermaßen die Vorläuferin heutiger Schlagzeilen-Größen wie Verona Feldbusch oder Jenny Elvers. Sie hat noch einige Filme gedreht wie „Finale in Berlin“ oder „Eine Frau sucht Liebe“, die Schweizer Talkshow „Heute für Leute“ moderiert und die Hauptrolle in der US-Fernsehserie „Primus“ gespielt. Von Belang war aber keiner dieser Auftritte mehr. Für größeres Aufsehen sorgte sie 1973 mit einem mehrmonatigen Trip durch Indien und 1978 mit Enthüllungen über die Bhagwan-Sekte. Die glamouröse Ehe mit Hubschmid wurde 1980 geschieden. Zuletzt trat sie in Fernsehserien wie „Das Waldhaus“ und „Peter Strohm“ und in Tourneetheater-Inszenierung auf.

Am Dienstag ist Eva Renzi im Alter von 60 Jahren in Berlin gestorben.

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