Kultur : Der Schattenmann

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Seine Schwärzen, seine Schatten sind die lebendigsten, strahlendsten Zeichen der gegenständlichen Kunst, die sich heute ausmalen lassen. Am liebsten zeichnet der weiße Südafrikaner William Kentridge mit Kohle und Tusche, und auch die Figuren seines durch Festivals, Biennalen und die Kassler „documenta“ weltberühmt gewordenen Panoptikums sind zumeist schwarz – selbst dann, wenn sie keine Afrikaner sind. Der 49jährige Johannesburger, dem die Düsseldorfer Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen jetzt eine schöne Retrospektive widmet, erfindet diese Schwarzweißen für seine Bilder, Animationsfilme, Theater- und Operninszenierungen mit unerschöpflichem Formenreichtum: Schattenrisse auf Papier oder als Stabpuppen, die vor Scheinwerfern virtuos bewegt werden und ihr dunkles Abbild auf der (oft ihrerseits bewegten) Leinwand tanzen lassen. So holt Kentridge Büchners Woyzeck nach Soweto oder Italo Svevos Triestiner Zeno Cosini in ein europäisches Weltkriegswunderland, so träumt er sein Alter Ego als „Felix in exile“, Felix, der Glückliche im Unglück. Alle sind von Witz und Weh gleichermaßen doppelsinnig „gezeichnet“ – dabei oft auch fabelhaft hyperreale Mischwesen aus Mensch und Maschine, deren Arme und Beinstümpfe zu Waffen oder Werkzeugen werden und deren Prozessionen einen tagträumerischen, nachtlichternden Lauf der Welt abbilden. Weil diese Kentridge- Schau vom Castello di Rivoli in Turin konzipiert wurde (wobei die Ausstellung im Düsseldorfer K 20 noch reicher bestückt ist), erscheint der vorzügliche Katalog nur auf Italienisch und Englisch, es gibt aber ein Einlegheft mit der deutschen Übersetzung (noch bis 31. Mai, unser Bild, Zeichnungen für „Felix im Exil“, entnehmen wir dem Katalog von Skira Editore, 45 €. ) P.v.B.

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