Kultur : Der schweigsame Cowboy

Zum Tod des Schauspielers Glenn Ford

Sebastian Handke

Mehr als hundert Filme in über fünf Jahrzehnten – Glenn Ford war zweifellos eines der prägenden Gesichter der goldenen Zeiten Hollywoods. 1916 in Quebec geboren, zeigte er bereits als Siebenjähriger erste Schauspielambitionen. Den Rat des Vaters, sich niemals nur auf sein Talent zu verlassen, hat Ford aber nie vergessen – selbst zu seinen Glanzzeiten reparierte er Wasserleitungen und Klimaanlagen immer noch selbst. Nach dem Schulabschluss zog Ford zunächst mit kleinen Theatergruppen durch Kalifornien. 1939 trat er dann erstmals auf der Leinwand in Erscheinung – in der glücklosen Billigproduktion „Heaven with a Barbed-Wire Fence“. Aus Ford würde nie ein erfolgreicher Schauspieler, sagte damals der Regisseur.

Nach einigen weiteren B-Movies meldete Ford sich 1942 freiwillig zur Marineinfanterie und erlebte die Befreiung Frankreichs. Aus Europa zurückgekehrt, avancierte er fast über Nacht zum Star: Im Film-noir-Klassiker „Gilda“ (1946) glänzte er an der Seite von Rita Hayworth in der Rolle des galanten, verschlagenen und zugleich ehrenhaften Glücksspielers Johnny Farrell. Anfang der Fünfziger schließlich war Glenn Ford zu einem der beliebtesten Schauspieler Hollywoods geworden: als idealistischer Lehrer in einer heruntergekommenen Schule („The Blackboard Jungle“), Vater eines entführten Sohnes („Ransom!“) oder hingebungsvoller Arzt und Ehemann („Interrupted Melody“). Doch so unterschiedlich seine Rollen auch waren – Ford verkörperte mit seinem leisen, intensiven Spiel stets das amerikanische Idealbild eines einfachen Mannes, der auch dann noch Ruhe und Zuversicht ausstrahlt, wenn die Lage hoffnungslos ist. In den Sechzigern kehrte der Pferdezüchter und Polospieler Ford zu seinem Lieblingsgenre zurück – dem einfach strukturierten, lakonischen Western. In den „talkies“, den Quasselfilmen, fand Ford, werde ohnehin zu viel geredet.

„Ich schaue nie zurück“, sagte Ford einmal, „ich denke nur an den nächsten Tag, das nächste Dinner und den nächsten Film“. Am Abend des 30. August wurde Gwyllyn Samuel Newton Ford leblos in seinem Wohnhaus in Beverly Hills aufgefunden.

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