Kultur : Der Sohn des Funktionärs

Steffen Richter

über den literarischen Jim Morrison der DDR Wussten Sie, dass es in der DDR bis 1960 eine Kadettenanstalt der NVA gab? Dem zwölfjährigen Thomas Brasch kann diese Institution nicht gefallen haben. Als er seinem Vater mitteilte, die Ausbildung stünde seinem Berufswunsch Schriftsteller im Wege, schrieb der ihm einen langen Brief: „Du beendest die Kadettenschule“, erklärte er ihm, „wirst dann Ingenieur-Offizier oder Politoffizier, lernst die Menschen gut kennen, schreibst einen guten Roman.“

Muss man seine Eltern lieben? Brasch hat es versucht. Sein Vater war ein hoher SED-Funktionär. Als die Panzer des Warschauer Pakts 1968 den Prager Frühling beendeten, verteilte der Sohn Flugblätter und wurde wegen „staatsfeindlicher Hetze“ zu 27 Monaten Gefängnis verurteilt. Sein Vater hatte ihn angezeigt. Mit „Vor den Vätern sterben die Söhne“ schrieb er dann ein Buch, das ihn schlagartig bekannt machte. Am 19. Februar wäre er sechzig geworden. Und allerorten wird an ihn erinnert: Am 18.2. im Künstlerklub Die Möwe (19 Uhr 30), am 19.2. mit einem Film von Kuttner und Christina Kuno Kunert im Roten Salon der Volksbühne (20 Uhr), am selben Tag mit Anja Dreischmeier und Rex Joswig im Kaffee Burger (19 Uhr 30) und am 20.2. mit einer Matinee am Berliner Ensemble (11 Uhr).

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