Kultur : Der Soul-Soldat

Sein größter Hit hieß „War“: Zum Tod von Edwin Starr

Christian Schröder

Sein bekanntester Song lief in den letzten Wochen wieder öfter im Radio. „War“, brüllt Edwin Starr, „what is it good for?“, und die Antwort folgt wie ein Geschoss: „absolutely nothing!“ Die Temptations hatten das Stück abgelehnt, weil es „zu kontrovers“ sei. „War“ richtete sich gegen den Vietnamkrieg, wurde aber bald zur universellen Anti- Kriegs-Hymne. Starr legte die Single „Stop The War Now“ und den Anti-Drogen-Song „Cloud Nine“ nach und galt fortan als Künstler, der den Hedonismus des Soul mit einer aufrechten Gesinnung zu verbinden wusste.

Mit „War“ begann seine dritte Karriere. Geboren als Charles Hatcher in Nashville, hatte er 1957 in Cleveland die VocalBand „Future Tones“ gegründet, bevor er für drei Jahre zur US- Army eingezogen wurde. 1965 bekam er einen Plattenvertrag beim kleinen Label Ric Tic und schaffte mit der JamesBond-Parodie „Agent Double-O Soul“ den Durchbruch. Zwei Jahre später kaufte Motown Ric Tic, aber gut aufgehoben fühlte sich Starr bei seinem neuen Brötchengeber nicht. „Ich kann mich nicht erinnern, wann ich meinen letzten Scheck von denen bekommen habe“, klagte er 1988.

Seit 1983 lebte er in England, vergöttert von der Northern-Soul-Szene. Style Council nahmen einen Benefizsong mit ihm auf, sein Blaxploitation-Soundtrack „Hell Up In Harlem“ von 1974 wurde wieder ausgegraben. Am Mittwoch ist Edwin Starr 61-jährig in seinem Haus in Nottingham gestorben. Ein paar Tage vorher war er in Stuttgart vor 16000 Fans aufgetreten.

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