Kultur : Der Sound der Zukunft

Syntheziser-Pionier Robert Moog ist tot

Christian Schröder

Große Erfindungen entstehen oft aus dem Geist der Bastelei. Robert Moog baute schon als 14-Jähriger nach der Anleitung eines Do-it-yourself-Magazins ein Theremin, ein elektronisches Musikinstrument, dessen sirrender Sound an eine singende Säge erinnert. Danach war er den seltsamen Klängen verfallen. Der Tüftler, 1934 in New York geboren, gründete mit seinem Vater eine Firma, schaltete Anzeigen in Elektronik-Zeitschriften und begann, Theremin-Bausätze zu verkaufen. Nebenbei studierte er Physik und Elektrotechnik. Anfang der Sechzigerjahre tat er sich mit dem Komponisten Herbert Deutsch zusammen, der mit elektronischen Instrumenten experimentierte.

Syntheziser galten bis dahin als Geräte, mit denen zwar Geräusche für Science-Fiction-Filme, aber niemals wirklich Musik hergestellt werden könne. Umso größer war die Überraschung, als Moog im Oktober 1964 bei einem Toningenieurkongress den Prototyp seines Synthezisers präsentierte. Über dem Keyboard des mannshohen Instruments baumelten Kabel zwischen Steckern und Drehschaltern. Doch der Klang dieses Ungetüms war sensationell: Der Moog-Syntheziser gab nicht bloß pure elektronische Sounds von sich, er konnte auch akustische Instrumente wie Trompeten oder Flöten imitieren. Eine bahnbrechende Erfindung, die – ähnlich wie die E-Gitarre eine Dekade vorher – innerhalb von kurzer Zeit die Popmusik revolutionieren sollte.

„Meine Ausbildung als Ingenieur befähigt mich, Instrumente zu bauen“, erzählte Moog in einem Interview. „Aber eigentlich tue ich das alles nur, um mit großartigen Musikern zusammenzuarbeiten.“ In den Sechziger- und Siebzigerjahren rissen sich die Musiker geradezu um Moog und seinen Syntheziser. Der Organist Wendy Carlos landete 1968 mit seinem Album „Switched-On Bach“, das er komplett mit einem Moog-Syntheziser eingespielt hatte, einen weltweiten Hit. Bald darauf war das Instrument auch bei den Beatles zu hören, sein analoges Surren ist auf ihrer „Abbey Road“–LP bei Songs wie „Because“ oder „Maxwell’s Silver Hammer“ nicht zu überhören. Das Instrument wirkte stilbildend, visionäre Pop-Platten wie „Innervisions“ von Stevie Wonder, „Wish You Were Here“ von Pink Floyd oder „Tarkus“ von Emerson, Lake & Palmer verdanken ihm ihren futuristischen Sound. In den Achtzigerjahren kam der Moog-Syntheziser aus der Mode, mit der Retrowelle der Neunziger erlebte er bei Bands wie Air und Stereolab ein Comeback. Robert Moog ist am Sonntag im Alter von 71 Jahren in North Carolina an Krebs gestorben. Sein Instrument wird weiterleben.

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