Kultur : Der Staatsoper geht der Hut hoch

Sanierungsdebatte im Abgeordnetenhaus

Frederik Hanssen

Seit Peter Mussbach im September 2001 seinen Vertrag als Intendant der Berliner Staatsoper unterzeichnet hat, fordert er gebetsmühlenartig die Sanierung seines Hauses ein. Auch bei der gestrigen Sitzung des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus machte er wieder mit flammenden Worten klar, dass ihm die Baupolizei jeden Tag den Laden dicht machen könnte. Wie teuer das Projekt wird, weiß Mussbach allerdings noch nicht: Die Summe von 130 Millionen Euro, die seit langem durch die Presse geistert, nannte er „fiktiv“. Zum Beispiel sei nicht klar, ob die Betonwanne, auf der das gesamte Gebäude steht, vollständig oder nur teilweise erneuert werden muss. Verlässlich lässt sich erst nach einer Substanzanalyse kalkulieren. Die Untersuchungen werden derzeit durchgeführt, Ergebnisse sollen Ende Februar vorliegen.

Bezahlt wird die bauvorbereitende Maßnahme übrigens nicht vom Land Berlin, sondern vom „Verein der Freunde und Förderer der Staatsoper“: 1,7 Millionen will der Unterstützerkreis bis 2008 für die Evaluierung vorstrecken. Außerdem gibt es die Zusage des Vereinsvorsitzenden Peter Dussmann, 30 Millionen Euro von Privatleuten für die Sanierung einzuwerben. Dieses außergewöhnliche Engagement, so betonte Intendant Mussbach am Montag, sei die Initialzündung für die Zusage des Bundes gewesen, seinerseits 50 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Allerdings ist die großzügige Geste an eine Bedingung geknüpft: Berlin muss ebenfalls 50 Millionen in seinen Haushalt für die Staatsopern-Sanierung einstellen.

Genau dazu aber wollte sich Klaus Wowereit nicht bekennen, so sehr ihn die Abgeordneten fraktionsübergreifend in der Sitzung auch bedrängten. Als Regierender Bürgermeister hatte er nach dem Karlsruhe-Urteil erklärt, Berlin könne sich die Renovierung nicht leisten. In seiner Funktion als Kultursenator stellte er nun immerhin klar: „Berlin hat nicht nur die Mitverantwortung, sondern trägt die Verantwortung dafür, dass die Oper eine Zukunft hat.“ Im Rahmen der Beratungen des Haushalts 2008/2009 will Wowereit mit seinen Senatskollegen eine Prioritätenliste aller dingend nötigen Investitionsmaßnahmen in der Hauptstadt erstellen. Auf welchem Platz die Staatsoper dabei landen werde, könne er aber nicht sagen.

Richtig wütend wurden einige Parlamentarier, als Wowereit wissen wollte, wie „belastbar“ denn die Ankündigung des Freundeskreises wirklich sei, 30 Millionen Euro aufzutreiben. Christoph Meyer von der FDP rügte den Regierenden: Er stelle damit die Seriosität der privaten Sponsoren in Frage. Oliver Schruoffenegger von den Grünen legte noch nach: „Wie soll Dussmann das Geld zusammenbekommen, wenn sich Berlin nicht offen zur Mitfinanzierung bekennt?“

Geht es nach dem Willen der Staatsoper, so wird das Haus ab Herbst 2010 bis auf die Außenmauern entkernt. Im Sommer 2013 soll dann alles fertig sein. Für die Ausgestaltung des Innenlebens gibt es drei Varianten: Die günstigste Lösung sieht ansteigende Reihen im Parkett vor, um eine bessere Sicht auch von den hinteren Plätzen zu gewähren. Bei der Highend-Variante würde der Staatsoper der Hut hoch gehen: Um den ursprünglich vorhandenen 4. Rang, der beim Wiederaufbau nach dem Krieg weggefallen war, rekonstruieren zu können, müsste das Dach angehoben werden. Dadurch, so argumentiert Peter Mussbach, ließe sich außerdem die einst so legendär gute Akustik der Staatsoper wiederherstellen.

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