Kultur : Der Storyliner

Nigel Cox, Mitgestalter des Jüdischen Museums, ist tot

Thomas Lackmann

Als der Neuseeländer Nigel Cox im Jahr 2000 nach Berlin kommt, um mit seinem Landsmann Ken Gorbey die Dauerausstellung des Jüdischen Museums vorzubereiten, ist er 49 Jahre alt. Der breitschultrige Farmerssohn mit Liebe zur Pop-Lyrik hat einige Abenteuer hinter sich, Bücher verkauft und ediert, in England gemalt, als Lkw-Fahrer und in einer Autofabrik sowie auf einer Kanalfähre gejobbt, Romane geschrieben und als „Head of Communication and Interpretation“ Neuseelands Nationalmuseum vorangebracht. Für das 2001 eröffnete Jüdische Museum soll er die „storyline“ der Dauerausstellung finden; später betreut er die Bereiche „Besuchererfahrung“ und „Bildung/ Ausstellungen“.

In Berlin genießt Nigel Cox mit Frau und drei Kindern das poetische Kreuzberg und leidet unter „meiner erbarmungswürdigen Unfähigkeit, Fremdsprachen zu lernen“. Er hat einen scharfen Blick: „Wäre es übertrieben zu sagen, dass sich jeder Deutsche seit dem Holocaust schon von Geburt an erniedrigt fühlt?“ In einem Text für den DAAD notiert Cox Befindlichkeiten: „Ach, die Deutschen. Sie haben es mit der Natur, und deshalb sitzen sie da, jeder im Besitz seiner eigenen Bank.“ Sie hätten das Gefühl, als Volk ruiniert zu sein, nur die Unschuld der Natur sei ihnen vermeintlich geblieben. Auch er selbst liebe frühlingsgrüne Blätter. „Aber ein gutes Buch ist mir lieber. Her mit der Kettensäge!“

Für seine Arbeit im Jüdischen Museum empfindet der Dichter das Leben „in sicherem Abstand“ und die „leidenschaftslose Objektivität“ des Außenstehenden als Vorteil. 2005 kehrt er nach Neuseeland zurück; sein Roman „Tarzan Presley“ und der in Berlin spielende Comic-Thriller „Responsibility“ erreichen jeweils Platz 2 bei den New Zealand Book Awards 2005 und 2006.

Bereits vor zehn Jahren war Nigel Cox wegen Krebs behandelt worden. Seit Oktober wusste er, dass die Krankheit zurückgekehrt war. Vergangenen Freitag ist er, 55 Jahre alt, in Auckland gestorben.

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