Kultur : Der Tagesspiegel

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Im Gegenlicht wird der Tänzer zur schwarzen Kontur. Ein grüner Strahlenkranz legt sich wie Flügel um seinen Körper. Vielleicht wehrt er etwas ab. Vielleicht aber hat er in dem Raum auch nur die Orientierung verloren. Denn die zuckende, von Lichtreflexen durchpulste Farbkulisse eines Raves wirkt wie eine Hypnose. David Heerde hat die Berliner Nachtgestalten – wie hier auf einer Love-Parade-Party im Haus der Kulturen der Welt – über mehrere Jahre hinweg beobachtet. Der 22-jährige Berliner hat sich von den Beats treiben lassen durch die Bars, illegalen Keller-Kneipen und Clubs und daraus eine „Liebeserklärung an das Berliner Nachtleben“ inszeniert.

Das Resultat ist so vielfältig wie die Clublandschaft der Stadt selbst. Und bleibt dabei frei von der aufdringlichen Hektik der trendig publizierten Polaroid-Schnappschüsse, die dem Betrachter in erster Linie die fun-verzerrten Gesichter der immer gut aussehenden Partybevölkerung zeigen, um den Spaßfaktor des Abends auszustellen. Heerdes Blick ist subtiler, er zieht seine Motive nicht aus dem Moment heraus: er gibt ihnen die Bühne. Dabei verzichtet er gänzlich auf zusätzliche Lichtquellen. Die vorhandenen Strobolights und raffinierten Beleuchtungseffekte genügen. Auch im Nachhinein wird nichts retuschiert.

Von der After-Work-Party im Oxymoron, der Reggae-Party im Geburtstagsclub bis zu den harten Techno-Beats im Tresor und der Absolut-Wodka-Party auf der Oranienstrasse: Mit einem konsequenten Blick für dramatische Perspektiven im flackernden Lichtblitz-Gewitter gelingen Heerde authentische Momentaufnahmen.

Die Fotografien sind Gegenwart und Retrospektive zugleich. Denn durch das rasante Tempo, das Werden und Vergehen, das die Berliner Clublandschaft wie keine andere bestimmt, wirkt der Blick auf mittlerweile geschlossene Clubs wie eine sanfte Erinnerung an vergangene Zeiten. Das Maria am Ostbahnhof gibt es nicht mehr. Der Pavillon am Weinbergsweg ist woandershin vagabundiert und das WMF ist ohnehin nie lange an einem Ort geblieben. Manche Clubs existierten nur für wenige Nächte.

Ein Echo der anheimelnden Atmosphäre durchwachter Nächte transportiert der junge Künstler auch in die Galerie: Unter dezenten Lichteffekten gelangt der Besucher im hinteren Bereich in einen kleinen Kellerraum, wo eine Disco-Kugel hängt und ein Monitor als Wechselrahmen für weitere Ausstellungsstücke dient. dhu

„Sleepless Beats“, bis 6. Juli in der Galerie „art aber herzlich“ (Danziger Straße 174). Eintritt frei.

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