Kultur : Der Tagesspiegel

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Ob ein sechzigster Geburtstag schon wichtig genug ist, um weltweit gefeiert zu werden? Jeden Tag wird ein mehr oder weniger bekannter Zeitgenosse sechzig Jahre alt – und hatten die Beatles nicht schon selbst gesungen „Will you still need me when I’m 64?“

Im Fall von Macca – wie die Fans von Paul McCartney ihr Idol liebevoll nennen – ist eine Ausnahme gestattet, ja sogar unerlässlich. Nicht nur, weil der Ex-Beatle Orte gesehen, Niederlagen erlebt, Erfolge gefeiert und der Welt Musik geschenkt hat, die gleich für mehrere Menschenleben ausreichen würden.

Nicht nur, weil er gemeinsam mit Lennon, Harrison und Starr zur strahlendsten Legende der Musikgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts wurde. Und nicht nur, weil er sich trotz emotionalen und psychischen Tiefstpunkts, an dem er sich nach der Trennung der Beatles befand und an dem er vermutlich mehr, sicher aber härtere Drogen konsumiert hat, als selbst zu experimentellen Hamburger „Star-Club“-Zeiten, wieder aufrappelte und weitermachte. Nein, nicht nur, weil er trotz einer Phase schlechter Songs und überwiegenden Misserfolgs mit der neuen Band „The Wings“, zu der auch seine erste Frau, die 1998 gestorbene Fotografin Linda gehörte (von ihr stammt unser Foto aus dem Jahr 1970), unbeirrt blieb. Sein ewiger Wunsch: „Großartige Musik und Texte zu schreiben“.

Auch das gelungene Anknüpfen an den Erfolg längst vergangener Zeiten, dessen Auftakt die zehnmonatige Welttournee Ende der Achtziger bedeutete, kann nicht alleiniger Grund sein, McCartneys Sechzigsten öffentlich zu zelebrieren. Und auch nicht die Tatsache, daß es sich bei dem Ex-Pilzkopf seit März 1997 nicht mehr um den Normalsterblichen James Paul McCartney handelt, sondern um den von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagenen Sir Paul.

Vielleicht sind wir nur mit allen Macca-Fans froh, dass die kreative Höchstleistung der Beatles eine gut inszenierte Falschmeldung war: Der Paul-ist-tot-Mythos, der in der Meldung McCartney sei am 9. November 1966 bei einem Autounfall gestorben gipfelte, verbreitete sich in Windeseile. Muss man im richtigen Moment abtreten, um unsterblich zu werden? Das abrupte, konsequente Ende der Fab Four hat sie unsterblich gemacht. Was sein persönliches Ableben anging, so erklärte McCartney 1969 im Stil eines Oscar Wilde: „Die Gerüchte über meinen Tod sind maßlos übertrieben.“

In diesen Tagen beschäftigen nicht Gerüchte um den Musiker die Gemüter der Fans, sondern Fakten: McCartneys glanzvoller Auftritt zum 50-jährigen Kronjubiläum der Queen und die Hochzeit mit Heather Mills, gegen den Willen seiner Kinder.

Keines dieser Details dürfte hinreichend sein, einen sechzigsten Geburtstag zur öffentlichen Angelegenheit zu machen. Aber alle zusammen genommen sind Grund genug für ein großes Happy Birthday, Sir Paul!Stephanie Nannen

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