Kultur : Der Tagesspiegel

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Auf seinen Bildern, in seinen Zeichnungen herrscht eine heitere, oft auch melancholische Stille. Er ist auch kein Karikaturist, dazu ist seine Komik eben zu leise, zu sinister, zu subtil. Ein Meister des allerfeinsten Strichs, der ziselierten Schraffur, die seine Menschen, Tiere, Städte zu Schattenwesen macht. Aber die Schatten leben, körperlos, geistvoll - das ist seine Kunst. Kaum zu glauben, dass dieser fitzelfeine Federhalter ein Mann von enormer Leibesgröße ist. Hierzu wiederum passt, dass dieser Paul Flora, der seinen herrlichen Künstlern tatsächlich von Geburt (als Südtiroler) trägt, an der Münchner Akademie ein Schüler von Olaf Gulbransson war, von einem Kraftkerl und Zeichenkünstler sondergleichen. Sein erstes Buch erschien 1953 und verdankte sich seinem blühenden Talent und Namensglück: „Floras Fauna“ hieß es, wie sonst. Bald wurde dann die „Zeit“ auf ihn aufmerksam, mit ihr wurde er als Illustrator berühmt. 3000 „Zeit“-Blätter gab es, hat die Redaktion nachgezählt, und noch 124 weitere Bücher folgten. Flora verlieh seinen politischen Köpfen allemal Charme, doch die ihm lieberen Figuren sind die Künstler: wie hier Wagner, Schwiegervater Liszt und Gattin Cosima auf dem Markusplatz („Die welke Pracht. Venezianische Bilder und Geschichten“, Diogenes Verlag). Heute wird Flora 80, salute! P.v.B.

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