Kultur : Der Tagesspiegel

NAME

Caspar David Friedrichs Gemälde sind in Berlin zuletzt zum Streitobjekt geworden: Drei Bilder, die die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten bis Mitte vergangenen Jahres in der „Galerie der Romantik“ in Charlottenburg zeigte, sind nun in der wiedereröffneten Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel zu sehen - in Obhut der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Bis Ende dieses Jahres haben die beiden Stiftungen Zeit, sich auf eine einvernehmliche Verteilung des Friedrich-Besitzes zu einigen. Ein Kompromiss ist nicht in Sicht.

Derweil zeigen die „Hermitage Rooms“ im Londoner Somerset House vier Monate lang den Reichtum, den St. Petersburg im Bereich deutsche Romantiker zu bieten hat. Nicht weniger als zwölf Bilder und Zeichnungen Caspar David Friedrichs sowie diverse Menzels, Overbecks, Kochs und Klenzes sind unter dem Titel „German Romantic Art for Russian Imperial Palaces“ in London zu sehen - als Leihgaben der Eremitage, die am Ufer der Themse seit Ende 2000 eine Dependence unterhält. Die sechs Räume sind bis zur Farbe der Wandbespannungen und dem Parkett den Originalräumen nachgestaltet, die der deutsche Architekt Leo von Klenze 1852 für die „Neue Eremitage“ entwarf, und soll den Reichtum St. Petersburgs im westlichen Ausland präsentieren - und Geld in die chronisch leeren Kassen bringen: Für jedes Eintrittsticket geht ein Pfund an die Eremitage.

Die Nähe zur deutschen Romantik verdankt Russland Zar Nikolas I. und seiner Ehefrau Alexandra. Diese, Schwester des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., hatte sich auf der Berliner Pfaueninsel mit dem gutaussehenden Zarenanwärter verlobt. Es war nicht nur eine Vernunftehe: Die Liebe dieses Paares fand ihren Ausdruck in Caspar David Friedrichs heiterstem Werk „Auf einem Segelboot". Ein glückliches, frisch verlobtes Paar segelt Hand in Hand einem verheißungsvollem Sonnenaufgang entgegen. Das Bild, entstanden während der Hochzeitsreise des Malers auf Rügen, wurde von Nikolaus und Alexandra als Ausdruck der eigenen Liebe und Verbundenheit gelesen und in „Cottage Palace“, dem im englischen Landhausstil gehaltenen Wohnsitz nahe St. Petersburg, in Ehren gehalten.

Das Wechselspiel zwischen Kunstgeschmack und Biographie prägt auch den Rest der Sammlung: „Auf einem Segelboot“ bildet mit „Nacht im Hafen“ und „Mondaufgang“ (unser Bild) ein Triptychon, das Friedrich als Zeichen von Liebe, Hoffnung und Treue auf seiner Hochzeitsreise konzipierte. Liebe, Hoffnung und Treue waren auch Alexandras Wahlspruch in Russland, in dem sie sich trotz der Liebe ihres Mannes nie ganz zuhause fühlte. Ein Porträt von Franz Krüger zeigt sie im Reitkostüm - melancholisch und ein wenig verloren. Die Ausgelassenheit des preußischen Hofes, die Adolph Menzel in seinem Gouachen-Zyklus „Magic of the White Rose“ vorführt, ist in Russland einer zurückgezogenen Häuslichkeit gewichen.

Dass sich Russlands größtes und renommiertestes Kunstmuseum zum 150. Jubliäum in London mit einer Ausstellung über deutsche Romantik präsentiert, setzt die drei Städte unvermutet in Beziehung. Schön wäre es, wenn auch zwischen Berlin und St. Petersburg jenseits von Verhandlungen über Beutekunst und deren Rückgabe ein ähnlicher Austausch etabliert werden könnte. Beide Berliner Stiftungen würden davon profitieren. Christina Tilmann

The Genius of Caspar David Friedrich, Hermitage Rooms, Somerset House, London, bis 18. Aug., tägl. 10 bis 18 Uhr, Katalog 11,95 Pfund.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben