Kultur : Der Tagesspiegel

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Intimität und Inszenierung – das sind die beiden Pole, die Magnetismen in der Arbeit des zwischen München, Berlin und dem Rest der Welt ziemlich frei flottierenden Fotografen Andreas Neubauer. Er ist ein Schauspieler- und Journalistenkind, heute 37, hat eine chaotische, abgebrochene, garantiert Pisa-ferne Schulkarriere hinter sich, wollte einst in New York am berühmten Actors Studio selbst Schauspieler werden. Dann kam die Kamera. Und Neubauer ist einer der aufmerksamsten, manchmal strengsten, manchmal spielerisch verrücktesten Portraitisten im Film-, Theater- und Künstlermilieu geworden. Einer, der zum Beispielweiß, dass Schauspieler mutige Menschen sind, die häufig Angst haben. Auf der Schneide zwischen Scheu, Scham und extrovertierter Auftrittslust. Robert Mapplethorpe und Bettina Rheims bertrachtet er als Vorbilder.

Andreas Neubauer täuscht den Betrachter und seine Darsteller nie darüber hinweg, dass es fast immer inszenierte Bilder sind. Künstlich arrangiert, meist in stundenlanger, vertrauensvoller Zusammenarbeit. Es sind keine schnellen Schnappschüsse; die überwiegend im Freien oder jedenfalls außerhalb eines Studios an gefundenen oder erfundenen Orten entstandenen Bilder werden oft zu eigenen witzig-melancholischen Erzählungen. Ob Roman Polanski angezogen in einer Hotelbadewanne liegt oder Shirley MacLaine in Malibu am Strand mit geöffneten Armen eine Mischung aus Engel und Seemöwe mimt oder, einst, Billy Wilder am Waschtisch einer Toilette im Spiegel zum Doppelportrait wird oder Heinz und David Bennent, Schauspieler-Vater und -Sohn aneinander gelehnt im leeren Zuschauerraum eines großen Theaters: naturecht und künstlich zugleich.

Neubauers Portraits-Ausstellung vor anderthalb Jahren zur Eröffnung des Berliner Filmmuseums war eine Entdeckung . Nun sind 60 der damals gezeigten Bilder und einige neue für kurios wenige Tage in der Berliner DNA-Galerie (Auguststraße 20, bis Samstag ) zu sehen: ein Potpourri und Panorama, von den Jungen wie Jasmin Tabatabai oder Leonardo DiCaprio bis zu den wunderbaren Alters-, nein Lebensportraits etwa von Marianne Hoppe oder auch Inge Meisel – die übrigens in einem wunderlichen Kuhstall ihren Auftritt hat, und selbst die Rindviecher scheinen auf sie mit den Augen zu fliegen. Das Portrait der Schauspielerin Emma Thompson („Sense and Sensibility“, „Primary Colors“), die sich 1997 in Beverly Hills für Neubauer schlafend stellte, entnehmen wir dem Band „Fotografien Andreas Neubauer“, Deutsches Filmmuseum Frankfurt am Main, 2000. PvB

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