Kultur : Der Tagesspiegel

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CITY LIGHTS

Die Lobgesänge auf Rainer Werner Fassbinder haben in dieser Zeitung am 1. Juli eine lebhafte Gegenreaktion erfahren. Bei der kurz vor ihm verstorbenen Romy Schneider bietet sich eine vergleichbare Abrechnung nicht an. Und doch muss die Bemerkung erlaubt sein, dass ein Blick auf Romys Filmographie nicht gerade den Atem raubt. In Frankreich konnte man, wie die Karrieren von Jeanne Moreau und Catherine Deneuve beweisen, mit mehr Spitzenregisseuren arbeiten, als es der Terminkalender zulässt. Leider hat sich bei Romy Schneider kein François Truffaut, kein Jean-Luc Godard und kein Jacques Rivette gemeldet. So dominierte das gepflegte Mittelmaß. Ein paar gute Filme verdankte sie Claude Sautet, doch nur eine Produktion ragt wirklich heraus: Andrzej Zulawskis Nachtblende (1975).

Dem Exil-Polen ist ein wilder, barbarischer Film gelungen, der gnadenlos mit der Sexwelle der siebziger Jahre abrechnet. Romy Schneider verkörpert eine frustrierte Schauspielerin, die ihr Geld mit Pornos verdienen muss und von anspruchsvollen Rollen träumt. Als sie endlich auf einer Theaterbühne stehen darf, scheitert sie kläglich. Sie verliebt sich in einen Fotografen (Fabio Testi), der ebenfalls gezwungen ist, in der Sexbranche zu arbeiten. So viel Frust kann im Kino leicht unfreiwillig komisch wirken. Aber die Konsequenz von Zulawskis düsterer Vision beeindruckt. Dass er Romy Schneiders wunden Punkt berührt hat – ihr Bedürfnis nach beruflicher Anerkennung – , mag sadistisch anmuten; immerhin erhielt sie für das Resultat einen César, den französischen Oscar. Und Klaus Kinski ist auch dabei (Freitag, Sonnabend und Sonntag im Filmmuseum Potsdam).

Frauen haben es schwerer im Filmgeschäft. Sie dürfen auch nicht eine Rolle nach 20 Jahren noch einmal spielen, weil sie dann angeblich zu alt sind. Männer dürfen das. Clark Gable zum Beispiel hat in dem Tropendrama „Red Dust“ (1932) der ordinären Jean Harlow und der eleganten Mary Astor den Kopf verdreht. Das durfte er ein weiteres Mal im Remake von 1953 tun, unter der Regie von John Ford in Mogambo. Diesmal wurde tatsächlich in Afrika gedreht und nicht im Studio. Und mit neuen, jungen Darstellerinnen: Die feurige Ava Gardner (30) und die kühle Grace Kelly (24) kämpfen um die Gunst des Großwildjägers Gable (52), dessen aus der Form geratener Oberkörper in der prallen Sonne besonders ungünstig aussieht. Sehenswert ist der Film wegen seiner beiden gegensätzlichen Sex-Göttinnen (Montag im Arsenal).

Eine Ausnahmefrau hinter der Kamera ist Kathryn Bigelow, deren betont harte Thriller fast immer Geld verlieren, ihr dafür aber eine kleine, treue Fangemeinde eingebracht haben. Ihr größter Kassen-Flop war Strange Days (1995), in dem korrupte Cops die Zeugen eines rassistischen Mordes ausschalten wollen. Man fühlt sich unwohl in Bigelows Film. Und das spricht für ihn (heute bis Mittwoch im Brotfabrik-Kino). Frank Noack

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