Kultur : Der Tagesspiegel

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Das neue Deutschland kann einen manchmal fremdeln lassen: Während der antifrankistische Spanienkämpfer Hans Beimler seit der Wende eines Berliner Straßenns nicht mehr würdig ist, trägt die Spanische Allee im Westen seit 43 Jahren den Namen, den sie 1939 nach der siegreichen Rückkehr der Legion Condor aus dem Bürgerkrieg von den Nazis erhielt. Beimler hatte eben nicht für die deutschen Faschisten, sondern für ihre internationalistischen Gegner gekämpft. Außerdem war der Reichstagsabgeordnete, der 1936 aus dem KZ Dachau nach Spanien floh, Kommunist. Und er wurde in der DDR als antifaschistischer Held verehrt, nachdem er bei der Verteidigung des belagerten Madrid einer Kugel zum Opfer gefallen war. 1985 hat der DEFA-Dokumentarist Karlheinz Mund Beimler und seinen Mitstreitern mit einem Dokumentarfilm ein Denkmal gesetzt. Spanien im Herzen? Hans Beimler und andere heißt er in Anlehnung an ein Neruda-Gedicht.

Jetzt ist wieder ein Film gleichen Titels entstanden, auch er über die Interbrigadisten, die wenigen, die heute noch leben. Und ein Reisefilm: 1996 hatte das spanische Parlament ein altes Versprechen wahrgemacht und allen noch lebenden ehemaligen Mitgliedern der Internationalen Brigaden die spanische Staatsbürgerschaft verliehen und sie nach Spanien eingeladen. Die Filmemacherin Marina Caba Rall hat sie dabei begleitet.

Zwei Filme mit ähnlichem Sujet und gleichem Titel. Beide zeigen teilweise auch die gleichen Menschen und Orte. Doch sie sprechen unterschiedliche Sprachen. Während Mund Archivbilder und aktuelle Szenen mit einem Erzähltext von Klaus Wischnewski unterlegt, montiert Rall O-Ton-Interviews und Reisebilder kommentarlos mit suggestiven Ton-Bild-Collagen. Während im DEFA-Film die Menschen kaum zu Wort kommen, sind sie bei Rall zwar präsent, werden aber durch ungeschickten Schnitt und Kamerafehler um ihre Wirkung gebracht. Trotzdem hat dieser Film als Hommage seine Gültigkeit. Denn hier wird bitter klar, dass mit dem Verschwinden dieser Generation auch eine Lebenshaltung verschwindet. Die beiden Lehrbeispiele für den filmischen Umgang mit der Geschichte sind Donnerstag und Sonntag im Filmkunsthaus Babylon zu sehen (in Anwesenheit der Filmemacher), Ralls „Spanien im Herzen“ ab 25. Juli im Lichtblick-Kino.

Mit den öffentlichen Gelöbnissen am 20. Juli beruft sich auch die Bundeswehr auf eine antifaschistische Tradition. Dabei hatten einige der damaligen Verschwörer ihr Gewissen erst recht spät anlässlich der drohenden militärischen Niederlage entdeckt. Im Zusammenhang mit den Protestaktionen, die das Gelöbnis auch dieses Jahr wieder begleiten sollen, zeigen die GelöbNIX-Aktivisten einen Interview-Film, den drei Berliner Studierende über die Zusammenhänge von Ritual, nationaler Identitätsstiftung und der Einschwörung auf den militärischen Kollektivkörper gemacht haben. Interviewpartner sind unter anderem Christina von Braun und Ekkehart Krippendorf. Im Vorfeld eine kurze Found-Footage-Montage zum Soldatenkörper des gleichen Teams. Im Eiszeit am Freitag und Samstag. Silvia Hallensleben

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