Kultur : Der Tagesspiegel

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Ohne Worte sprachgewaltig, ohne Mimik ausdrucksstark: Den Schauspielern der FlözProduction gelingt es trotz der exzellent modellierten Masken aus Pappmaché, ein pantomimisches Potpourri menschlicher Empfindsamkeiten auf die Bühne des Glashauses der Arena (noch bis zum 9.8.) zu zaubern. Das „Ristorante Immortale oder vom provisorischen Leben“ lässt einen traumhaften Ort der Melancholie und Clownerie entstehen. Eitel betrachtet ein Kellner sein Spiegelbild im blanken Silbertablett, der greise Kollege verausgabt seine geschwächten Kräfte im Serviertuch-Sprungwettbewerb, der Chef hält sich an seiner despotischen Geste wie an einem Geländer fest. Über das komische Treiben legt sich ein melancholischer Schleier, wenn mit erwartungsvoller Geste der Vorhang für die Gäste gehoben wird: kein einziger Gast erscheint. Den Zuschauern bleibt das Lachen im Halse stecken, die Enttäuschung auf den stumm-seufzenden Maskengesichtern ist zu offenbar. In diesem Moment wirken die slapstickhaften Verfolgungsjagd durch die Schwingtüren, der wirbelnde Quirl der Köchin und die bubenhaften Animositäten, als servierten die Kellner dem Publikum immer wieder Schokoladenpudding. Die an sich durchaus anregende Melange lässt zudem durch die immer wiederkehrenden Gesten das fantastisch zubereitete Gericht im Kochwasser der Monotonie etwas verdampfen. Dorte Huneke

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