Kultur : Der Tagesspiegel

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Es lässt sich gut plaudern auf der sonnenbeschienenen Bank im Park des Altersheims. Sollte man meinen. Aber die beiden Herren, die sich regelmäßig auf ihr niederlassen, gehen auf die Achtzig zu, kennen sich seit Jahrzehnten, haben sich eigentlich nichts zu sagen. Ein paar Bosheiten sind auszutauschen, weiter nichts. Bis der Engel auftaucht, eine ehemalige Filmschauspielerin, und die Alten zum Balzen bringt. Dann ist er plötzlich wieder weg, das Heim wird geschlossen, nicht nur das Ruheplätzchen vor dem großen Baum geht einem ungewissen Schicksal entgegen. Mehr geschieht nicht in Ron Clarks Komödie „Die Bank an der Sonne“. Was geredet wird, bleibt hübsch an der Oberfläche, was geschieht, ist vorhersehbar. Die alten Männer und das Weib: Nur wenn man die „richtigen“ Schauspieler für die plötzlich sinnlich erwachten alten Kerle hat, darf man wagen, das dürftige Geschichtchen auf die Bühne zu bringen. Horst Johanning hat es im Theater am Kurfürstendamm riskiert – im Vertrauen auf Gunter Philipp und Horst Naumann, die es durch Lebens- und Theatererfahrung, durch eigenes fortgeschrittenes Alter schaffen, das Bank-Drama mit Witz, Selbstironie und Sarkasmus aufzupeppen. Sie schlagen sich sozusagen selbst, wie sie sind, in die Schanze.

Und so ist vergnüglich zu beobachten, auf wie mannigfaltige Art man von eben der sonnigen Bank aufstehen kann, wenn der in die Jahrzehnte gekommene Körper solch Geraderichten eigentlich nicht mehr will und zulässt (Gunter Philipp). Oder wie boshaft und verschlagen einer sein schlampiges Aussehen genießen kann, hinter der herausforderndstudierten Zeitung (Horst Naumann). Oder welch kraftzehrendes Abenteuer es ist, alte steife Beine übereinander zu schlagen. Aber da ist ja auch noch Adrienne, der Engel aus dem Filmhimmel. Brigitte Grothum gibt dem angejahrten Glamourgirl einen verführerischen, allerdings nicht mehr ganz echten Glanz und zeigt so eine Art zielgerichtete, routinierte Sozialarbeit. Horst Johanning hat sich redlich, wenn auch nicht sehr erfolgreich bemüht, die drögen Szenen in Schwung zu bringen, Bühnenbildner Pit Fischer schickte einen prächtigen Hintergrundbaum auf der sonst recht kahlen Szene in den Wechsel der Jahreszeiten; auf unserem Bild (Foto: Drama) hinter dem Schattenriss von Gunther Philipp. Und rettet so ein bisschen Poesie für die bescheidenen Männererlebnisse auf einer kräftig gebauten Parkbank. Da wird der Sommer – fast alle anderen Bühnen machen Ferien – am Kurfürstendamm freundlich-spielerisch überbrückt (heute und morgen sowie am 30./31. Juli sowie vom 1. bis 12. August, 20 Uhr). Christoph Funke

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