Kultur : Der Tagesspiegel

Kriegsfilme haben in den USA Konjunktur. „Windtalkers“ erzählt die Geschichte der Navajo-Indianer, deren Sprache im Zweiten Weltkrieg als Code verwendet wurde. Eine Kritik und ein Gespräch mit Hauptdarsteller Nicolas Cage Mentale Mobilmachung

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Mr.Cage, Sie haben einen Hang zu ambivalenten, gebrochenen Charakteren...

Ich interessiere mich nicht für Perfektion - die Condition Humaine ist anders. Ich mag es, die Maske herunterzureißen, die wir alle tragen: Andauernd lächelnd, gutgelaunt. Ich möchte die Abgründe des Lebens zeigen, und wie man diese überwinden kann. In „Windtalkers“ sucht John Erlösung, er ist spirituell verloren und fühlt sich schuldig, weil er seine Männer in den Tod geführt hat. Er repräsentiert eine Vorstellung von Loyalität, die verloren gegangen ist.

Eine Message die perfekt in Kriegszeiten zu passen scheint...

Ich hasse Krieg. Dieser Film zeigt, dass Krieg die Hölle ist, dass so etwas nicht passieren darf. Wir haben „Windtalkers“ vor dem 11. September gedreht. Wenn er einen Sinn hat, dann den, davor zu warnen, dass Eltern ihre Kinder in den Krieg schicken.

John Woos Filme handeln immer von Helden. Was ist für Sie ein Held?

Wer tapfer genug ist, um sich aufs Schlachtfeld zu wagen, ist eine Art Held. Aber John, meine Figur in „Windtalkers“ wird zu einer anderen Art Held. Ein Held ist einer, der, wenn das Schicksal gegen ihn ist, eine emotionale Stärke findet, um dies zu überwinden. Und zwar in selbstloser Weise.

„Windtalkers“ ist nach „Face/Off“ Ihr zweiter Film mit John Woo, in einigen Wochen werden Sie den dritten drehen: einen Western. Warum ist Woo ein so guter Regisseur für Sie?

John Woo ist einfach ein großer Künstler und wahrhafter Visionär, außerdem ein Gentleman, der die Leute mit denen er arbeitet, mit Respekt behandelt. Als wir „Face/Off“ gedreht haben, war ich schnell sicher: Mit ihm wird es etwas ganz Besonderes, Neues werden. Er hat keine Angst vor Gefühlen, vor dem Extremen – und das ist genau das, was auch ich in meiner Arbeit versuche.

In „Windtalkers“ nimmt sich Woo erstmals eines „echt“ amerikanischen Themas an. Zugleich handelt der Film von einem Menschen, der einer Minderheit angehört. Es geht auch um Rassismus, um Identitätsfindung – Erfahrungen, die er selbst machen musste. Ist es für Woo ein Vorteil, in Hollywood als Chinese ein Fremder zu sein?

Ich sehe Woo als Amerikaner. Seine Perspektive ist die eines Künstlers. Was bei „Windtalkers“ interessant ist, ist dass die Gruppe international zusammengesetzt ist: Weiße, Griechen, Navajos, Italo-Amerikaner. Ab einem bestimmten Punkt sehen sie die Unterschiede nicht mehr. Sie erkennen sich als Einheit. So könnte es auch unserer Welt ergehen, wenn es bloß keine Kriege gäbe...

Die klassische revolutionäre Idee von der Armee als dem Instrument der Vergesellschaftung und der Gleichheit aller Bürger?

Ja. Einer der für mich schönsten Sätze des Films ist: In 50 Jahren verstehen wir uns vielleicht mit den Japanern prächtig, spielen gegeneinander Fußball... Da sind wir heute! Und da können wir – denken Sie an den 11.September – auch mit den islamischen Ländern sein. Das wäre großartig!

Das Gespräch führte Rüdiger Suchsland.

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