Kultur : Der Tagesspiegel

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HÖRTEST

JAZZ

Seit zehn Jahren gibt es den Roten Bereich, ein zum Trio geschrumpftes Avantgarde-Projekt des Gitarristen Frank Möbus. Mit dem verschroben-genialen Bassklarinettisten Rudi Mahall, der wie Möbus aus Nürnberg stammt, hat dieser den idealen Partner für seine ironisch gebrochenen Kompositionen gefunden, in denen Improvisation und Begleitung einander permanent durchdringen. Es ist eine krakenhafte Musik. Nie kann man vorhersehen, woher sie einen diesmal anfällt. Ob sie schmeichelt oder hinters Licht führt. Auf „Risky Business“ (Act) spielen die beiden erstmals mit dem jungen Schlagzeuger Oliver Bernd Steidle – auch ein Oberfranke – zusammen, der die verschachtelten, von plötzlichen Geschwindigkeits- und Stimmungsschwankungen gebeutelten Miniaturen wunderbar transparent macht. KM

WELTMUSIK

Gott muss seine Schöpfung nicht erklären. Das ist Aufgabe der Kinder von Schrecken und Tradition, sagt ein mexikanischer Dichter. Das Kronos Quartet hat sich in Mexiko City auf die Suche nach Klängen gemacht, deren Stolz aus der reitenden Revolution stammt, deren Popularität aus quakenden Radios wuchs, und deren stürmische Traurigkeit jeden Jammer zum Tanzen bringt. Auf „Nuevo“ (Nonesuch) klingt das Streichquartett nach Tequila gegerbter Blaskapelle und wächst für einen einarmigen Efeublattbläser zum 50er-Jahre-Riesenorchster. UA

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