Kultur : Der Teufel fährt Harley

Comic und Action: „Ghost Rider“

Lars von Törne

Für den Teufel zu arbeiten, ist ein Knochenjob. Motorrad-Stuntman Johnny Blaze wird sich dessen allerdings erst bewusst, als er einen diabolischen Pakt einlösen muss, bei dem er einst seine Seele verkaufte, um den Vater zu retten.

So kommt es, dass Blaze dazu verdammt ist, Nacht für Nacht als totenkopftragender Zombie auf einem brennenden Motorrad durch amerikanische Großstädte und Wüsten zu brettern, um menschliche und übermenschliche Bösewichte mit einer Eisenkette und einem unerschöpflichen Arsenal an Special Effects zu bekämpfen. „Ghost Rider“, das bunte Comic-Actionspektakel, zeigt vor allem eines: Wenn zwei junggebliebene Superhelden-Fans mit Mitte 40 ihre Kindheitsfantasien umsetzen, sollte man das Ergebnis nicht allzu ernst nehmen. Die beiden Kindsköpfe: Regisseur Mark Steven Johnson („Daredevil“) und Hollywood-Star Nicolas Cage, der schon immer einen Comichelden seiner Kinderzeit verkörpern wollte. Gemeinsam haben sie die Figur des Ghost Rider wiederbelebt, die Anfang der siebziger Jahre in einer Marvel-Comicserie auftauchte und heute zu Recht weitgehend vergessen ist.

Der Film ist ein wilder Ritt durch die Popkultur, so randvoll mit Zitaten, dass er mit einem Anführungszeichen beginnen und mit einem Abführungszeichen enden müsste. Besonders freigiebig bedient sich Motorradfan Mark Steven Johnson bei „Easy Rider“, von dem er nicht nur die legendäre Harley Davidson abgekupfert hat. Vor allem mit der Reaktivierung von Peter Fonda als alters-cooler Mephistopheles hat sich der Regisseur bei seinem filmischen Vorbild – und nebenbei bei Goethe – so frech bedient, dass es schon wieder Spaß macht.

Ähnlich ist es mit zahllosen Versatzstücken aus Horror und Italo-Western, Action-Spektakel und Komödie, Selbstfindungs-Drama und Teenager-Romanze, die sich innerhalb von 110 Minuten in einen fast psychedelischen, von Rockmusik unterlegten Bilderrausch steigern. Die Ernsthaftigkeit, mit der Cage den stets sorgenvoll dreinblickenden Geisterreiter spielt, wirkt angesichts der kunterbunten, selbstironischen Achterbahnfahrt allerdings manchmal etwas neben der Spur. Dass er ein ernstzunehmender Schauspieler ist, hat Cage schon andernorts ausreichend bewiesen. Hier hätte er vollends das Kind in sich ausleben können – so wie es auch vom Publikum gefordert wird, das sich auf „Ghost Rider“ einlässt.

In 16 Kinos, OV im Cinestar Sony-Center. Zum Filmstart erscheint die Miniserie „Straße zur Verdammnis“ als Comicbuch neu (Panini Verlag, 148 Seiten, 16,95 €).

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