Kultur : Der Teufel sitzt im Bubblegum

THEATER (2)

Michaela Soyer

Lina und Rahmi sind heiß auf Kaugummi. Sie lutschen und kauen mit besonderer Hingabe, denn eigentlich ist es für islamische Frauen unschicklich, das amerikanische Gummizeug in den Mund zu stecken. Karen Hartmanns Theaterstück „Kaugummi ist nichts für Jungfrauen“ beruht auf einer ägyptischen Zeitungskampagne, die versuchte, das Kaugummikauen zu verdammen. Bei Rahmi und Lina haben solche Appelle wenig Sinn. Sie wollen Sex. Rahmi hat es schon einmal ausprobiert. Davon darf natürlich ihr zukünftiger Ehemann nichts wissen, sonst droht ihr die Beschneidung. Die beiden Mädchen werden außerdem von ihrer Tante bewacht, was den Kaugummi- und Männerkonsum erheblich erschwert.

Das englischsprachige Theater Friends of Italian Opera hat ein Stück der New Yorkerin Hartmann ausgewählt, das sich mit der Unterdrückung der Frau in einem fiktiven islamischen Land befasst. Die sehr amerikanische Brille, durch die Hartmann ihre Figuren sieht, spiegelt sich auch im Bühnenbild und den Kostümen wieder. Insgesamt erinnert das Setting an ein Märchen aus 1001 Nacht. Es lenkt ab von den guten Schauspielerinnen (Cheynne Rushing und Richa Dubey), die der Inszenierung doch ein gewisse Ernsthaftigkeit verleihen. Auch das tragische Ende lässt den Zuschauer unberührt. So entspricht der Abend der Dynamik eines Kaugummis: Einem kurzen Prickeln folgt ein fader Nachgeschmack.

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