Kultur : Der Therapeut

Zum Tod des Berliner Liedermachers Ulrich Roski

Andreas Conrad

Schon das Leben zeigt oft eine Tendenz zum Makabren, der Tod erst recht. Ausgerechnet im Bezirksklinikum Gabersee in Wasserburg/Inn sollte sein nächstes Konzert stattfinden, am 13. März. Nein, das habe nichts zu bedeuten, hatte Ulrich Roski noch vor wenigen Wochen die Frage abgewehrt. Zu dem Konzert kommt es nun nicht mehr: In der Nacht zum Donnerstag ist der Liedermacher im Alter von 58 Jahren in Berlin seinem Krebsleiden erlegen.

Die Krankheit hatte ihm ohnehin Auftritte in der gewohnten Manier unmöglich gemacht, erlaubte nur noch brummenden Sprechgesang. Ausgerechnet an einem Zungenkarzinom war Roski erkrankt, und dabei hatte er doch, anders als Sigmund Freud, nie Zigarre geraucht, wie er in seinem späten Sketch „Ich lerne sprechen“ einfließen ließ.

Roskis Kunst war therapeutisch, im weitesten Sinne. Limericks, Sketche, Wortverdrehungen, Blödeleien, Räsonnieren über „Des Pudels Kern“ oder den „Kleinen Mann von der Straße“ – damit machte er sich seinen Reim auf den Muff und die Verklemmungen der westdeutschen, wirtschaftswundersatten Gesellschaft. Und die Politredner und -barden, die sich auf ihr antiautoritäres Gehabe in den frühen Siebzigern so viel einbildeten, hat er gleich mit auf die Schippe genommen. Als K-Gruppe ließ er allenfalls die KPM, die Königliche Porzellan Manufaktur, durchgehen, was seinem Erfolg im Jahrzehnt der Schlaghose keinen Abbruch tat – im Gegenteil. Einmal trat er sogar in der Berliner Philharmonie auf, ein für seine Kunst freilich unpassender Ort, wie er rückblickend befand.

Mit Musikerkollegen wie Reinhard Mey, Jürgen von der Lippe, Schobert & Black, Hannes Wader war er berühmt geworden, von den meisten seiner Generation redet man heute kaum mehr. Auch er selbst hatte an frühere Erfolge nicht mehr anschließen können, immerhin fühlte er sich von den Comedy-Größen der Gegenwart weiterhin hoch respektiert.

„Pour moi“ hatte er seiner unlängst erschienenen Autobiografie „In vollen Zügen“ (Eichborn-Verlag) als Widmung vorangestellt. Ein Buch – das war sein Wunschtraum gewesen, und das Schreiben hat ihm dann auch geholfen, Krankheit und Operation beiseite zu schieben. Roski verdrängte, dass es mit dem Singen am Klavier weitgehend Schluss sein würde, wie er selbstkritisch feststellte: „Ich bin auch wieder fast gesund geworden, bloss dass meine Stimme nun so klingt, als wenn eine Ziege auf Blech pinkelt.“

Ja, leider hatte er damit allzu Recht: Er war nur wieder fast gesund geworden.

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