Kultur : Der Tod ist unsterblich Volksbühne: Gruselkunst von Gregor Schneider

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Schwimmt da etwa ein schockgefrorener Mensch im flüssigen Stickstoff? Oder doch nicht? Bitte gruseln Sie sich selbst! Der Tank ist nicht einsehbar, er gibt nichts über sein Inneres preis. Dafür erhöht allein das Wissen um den Künstler den Schauderfaktor: Gregor Schneider. Der hatte vor einigen Jahren für Aufregung gesorgt, als er verkündete, er möchte im Museum einen Menschen beim Sterben zeigen, um die Schönheit des Todes darzustellen.

Nun hat der 43-Jährige einen etwa zweieinhalb Meter hohen Metallzylinder im Sternfoyer der Berliner Volksbühne aufgebaut, den „Cryo- Tank Phoenix“, angestrahlt von ein paar Scheinwerfern. Provokation sieht anders aus. Einzelne Zellen lassen sich in der Tat bereits mit der Kryonik-Methode konservieren. Für größere Organe gilt das noch nicht. Das Kunstwerk ist also reine Zukunftsvision. Und verweist auf einen absurden Widerspruch: Die Leiche wartet auf die Unsterblichkeit. So lange, bis der technische Fortschritt es zulässt, dass sie eines Tages ohne bleibende Schäden wiederbelebt werden kann.

Schneider als unermüdlicher Nachdenker über den Tod ist mit seiner Arbeit Gast beim „Fortbildungsprogramm Freitod Selbstmord“, das die Berliner Volksbühne anlässlich der Premiere des Stücks „Die Patriotin“ von Thomas Martin veranstaltet. Bis 19. Mai werden Kunst und Vorträge im Haus zu sehen und zu hören sein (Infos: www.volksbuehne-berlin.de).

Aus welchen persönlichen oder politische Gründen nimmt sich jemand das Leben? Gibt es einen Unterschied zwischen Selbstmord und Freitod? Neben Gregor Schneider zeigen Antje Ehmann und Harun Farocki im Foyer des Theaters am Rosa-Luxemburg-Platz ihre Videoarbeit „Fressen oder Fliegen“. Dafür haben sie Selbstmordsequenzen aus Filmklassikern zu einem Psychogramm zusammengeschnitten. Und am heutigen Freitagabend spricht der Philosoph und Kulturwissenschaftler Thomas Macho über kulturelle Unterschiede des selbst gewählten Todes (21.30 Uhr).Anna Pataczek

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