Kultur : Der total perfekte Seitensprung

Affären, Affekte, Attraktionen: die erotische Gangster-Komödie „Alibi“

Martin Schwickert

Flirtlines und Seitensprungagenturen – die Dienstleistungsgesellschaft organisiert sich ihr Liebesleben, und das Kino spinnt die Geschäftsideen weiter. Gerade war Will Smith als „Date-Doktor“ unterwegs, um der kontaktscheuen Kundschaft bei der ritualisierten Beziehungsanbahnung behilflich zu sein. In ihrem Debüt „Alibi“ entwerfen die Ex-Werbefilmer Matt Checkowski und Kurt Mattila nun ein Unternehmenskonzept, das sich um die Folgen des polygamen Lebenswandels kümmert.

Vier von zehn Männern und eine von zehn Frauen gehen fremd, behauptet Ray Elliot (Steve Coogan). Seine Firma kümmert sich darum, dass die Affären der Klienten unentdeckt bleiben. Von der anonymen Hotel-Buchung über das Umleiten, Abhören und Beantworten von unliebsamen Telefonanrufen bis zur Konstruktion eines Alibis organisieren Elliot und seine Assistentin Lola (Rebecca Romijn) den vollständig abgesicherten Seitensprung. Doch als einer der Klienten seine Gespielin im Sadomaso-Selbstversuch versehentlich mit dem Gürtel erwürgt, drohen dem Kontrollprofi die Dinge aus der Hand zu gleiten.

Was als romantische Komödie beginnt, wird bruchlos zur postmodernen Gangsterstory, in der Polizei, rachsüchtige Liebhaber und mordlustige Mormonen auf die Hauptfigur gehetzt werden. „Alibi“ lebt fast ausschließlich von seinem gut gebauten Plot, der die Figuren wie in einem Schachspiel bewegt, ohne sich mit deren Charakterisierung allzu intensiv zu beschäftigen. Das durchaus originelle Knallchargenballett umfasst neben Steve Coogan, der seinen extracoolen Helden mit britischer Noblesse unterspielt, verdiente Independent-Darsteller wie John Leguizamo, Selma Blair, James Brolin und den wunderbaren Sam Elliott mit seiner unsynchronisierbaren, kellertiefen Stimme. So lässt sich das selbstironisch grundierte Werk durchaus mit Gangsterkomödien wie „Snatch“ oder „Kiss Kiss Bang Bang“ vergleichen – allerdings dankenswerterweise ohne eitle Selbstreferenzialität und spätpubertäre Gewaltexzesse.

In 14 Kinos; OV Cinestar SonyCenter

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