Kultur : Der Traum des Geldes

Erst ging es knallhart ums Geschäft, dann wurde die ganze Angelegenheit ein Rührstück, inzwischen ist sie eine Posse: die Veröffentlichung der deutschen Übersetzung von Mario Vargas Llosas neuem Roman „Der Traum des Kelten“. Nachdem Vargas Llosa noch vor der Entgegennahme des Literaturnobelpreises seiner Freundin und angeblich finanziell klammen Agentin Carmen Balcells erlaubt hatte, seinen neuen Roman meistbietend zu verkaufen, sicherte sich in Deutschland der Rowohlt Verlag die Rechte. Das fand der Suhrkamp Verlag, Vargas Llosas angestammter deutscher Verlag, nicht gerade schön; doch verwies man bei Suhrkamp unter anderem darauf, dass das Buch einfach zu teuer gewesen sei. Dann aber besann sich der Nobelpreisträger auf die Loyalität dem Suhrkamp Verlag gegenüber, schrieb einen herzergreifenden Brief an dessen Chefin Ulla Unseld Berkéwicz, beteuerte darin seine Verbundenheit und äußerte die Hoffnung, der Ausflug zu Rowohlt werde nur eine „Episode“ sein.

Es ist nicht mal ein Episödchen draus geworden, teilte doch der Rowohlt Verlag am Donnerstagabend mit, den „Traum des Kelten“ nicht veröffentlichen zu wollen. Der Brief von Vargas Llosa hatte etwas Brüskierendes für Rowohlt, und sicher ist es für einen Verlag schöner, wenn ein Starautor mit ganzen Herzen einen Verlagswechsel vollzieht. Trotzdem dürfte bei aller Possenhaftigkeit, die dieses Hin und Her hat, die Rückgabe der Rechte durch Rowohlt vor allem aus finanziellem Kalkül geschehen sein. Zum einen liegt die Backlist von Vargas Llosa weiterhin bei Suhrkamp, und die hat dem Verlag gerade nach der Verleihung des Nobelpreises manch hübsches Sümmchen eingebracht; zum anderen wird man bei Rowohlt bemerkt haben, dass „Der Traum des Kelten“ nicht der Verkaufsschlager ist, der er sein müsste, um das Geld für die Rechte wieder einzuspielen.

Der Suhrkamp Verlag könnte jetzt triumphieren, hält sich aber bedeckt. „Wir werden mit Agentur und Autor sprechen“, sagte die Leiterin der Presseabteilung, Tanja Postpischil. Vielleicht wird der Roman nun billiger, vielleicht siegt Loyalität über Geldgier; vielleicht übernehmen jetzt aber auch Random House oder Lübbe oder wer auch immer. Sicher ist nur: Ein Literaturnobelpreis ist keine Gewähr für Bestseller. Und schützt auch vor Blamagen nicht.

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