Kultur : Der Underground als Oberfläche

Eine junge Frau mit vorgeschnalltem Dildo rennt nackt durch eine nächtliche Stadt.Das Kunstglied wippt in Zeitlupe.Ein ungewohntes, schönes, auch erregendes Bild.Die Stadt ist Hamburg.Marion Niplowski rennt.Und wie Lola ist auch die "Nippelsuse" eigentlich nur eine rastlose lebenslustige junge Frau, die durch dumme Umstände in solch erstmal peinliche, später auch lebensbedrohliche Situation hineingeschlittert ist.Patent, aber auch ein bißchen blöde und sehr blond.Niplowski ist Privatdetektivin, durch Zufall und eher gegen ihren Willen.Und seit Philip Marlowe wissen wir, was das Leben für die bereithält, die sich auf die dunkle Seite menschlicher Verstrickungen einlassen: Schläge und Erniedrigung.Auch Niplowksi gerät schnell in einen kaum durchdringlichen Sumpf hier lokalpolitischer Machenschaften.

Als munter kokainverschnupfte Ich-Erzählerin führt uns Regisseurin Beatrice Manowski als Detektivin durch den Strudel der Ereignisse, von denen sie einige zur späteren Beweissicherung mit der Videokamera festgehalten hat.Turbulent geht es zu, direkt, billig, grell.Es läßt sich vorstellen, was die Regisseurin, Autorin und Hauptdarstellerin und ihr Co-Autor und Produzent Wolfgang Büld mit diesem Film intendierten.Eine coole Genrevariante mit einer Frau in der klassischen Männerrolle, die sich an sexueller Aggressivität von ihren Kollegen nichts nachsagen lassen muß.Ein Krimi-Comic: spannend, schräg, komisch und unterhaltsam zugleich.Einen "Undergroundfilm" nennt Manowski ihren Film.Gewagt ist "Drop Out" schon allein wegen seines unverfrorenen Exhibitionismus.Aber sind ein paar Spiel- und Spaßexzesse von Kamera und Ton, eine chaotische Chronologie und eine freche Mieze im Zentrum schon untergründig? Die zwanghaften Anzüglichkeiten vom Pinkeln in Colabecher bis zum Kneipentalk über Analverkehr wirken eher verklemmt als subversiv.

Vielleicht sind die Filmmacher für letzteres auch zu sehr Mainstream-Profis: Beate Manowski hat als Schauspielerin in Filmen und TV-Serien agiert, Wolfgang Büld bei Musikdokumentationen ("Punk in London"), Serien und Filmen wie "Manta Manta" (1991) und zuletzt "Der Trip" (1995) Regie oder zumindest Buch geführt.Underground als Spielwiese? Na gut.Ärgerlicher ist wohl, daß die postfeministische Weiberstärke, die der Film vorführt und propagiert, schnell in Klischees zurückfällt.Da muß im Ernstfall dann doch der nette Bulle die Detektivin retten.Wollen wir also gemein sein und "Drop Out" einfach auf seinen Enddialog reduzieren? Sie: "Hättest du nicht früher kommen können?" Er: "Das hat noch nie eine Frau zu mir gesagt". S.H.

Central, Kant Moviemento; heute 22.30 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain, in Anwesenheit von Regisseurin und Team

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