Kultur : Der Universalist

Udo Zimmermann wird 60 – und kriegt ein Buch geschenkt

Frederik Hanssen

Auf dem Gebiet der Musik ist Udo Zimmermann unbestritten ein Universalgelehrter. Seine Künstlerlaufbahn begann der gebürtige Dresdner als Elfjähriger im Kreuzchor. 1968 startete er mit der Kammeroper „Die weiße Rose“ seine Komponistenkarriere. Nach einer Assistenz bei Walter Felsenstein an der Komischen Oper wählte der junge Zimmermann, der nun auch einen Dirigentendiplom in der Tasche hatte, eine Stellung als Dramaturg an der Semperoper zum Brotberuf. Hier ließ man ihm soviel Freiräume zum Komponieren, dass er 1978 als Professor an die Dresdner Musikhochschule berufen wurde. Erste Erfahrungen als Aufführungsermöglicher sammelte er mit dem „Studio Neue Musik“, das er Mitte der Siebzigerjahre gründete, sowie ab 1985 an der Oper Bonn, wo er die „Werkstatt für zeitgenössisches Musiktheater“ leitete. 1990 übernahm er das Leipziger Opernhaus, das er schnell in den Fokus der Medien zu rücken verstand. 1997 folgte die Ernennung zum Leiter der „Musica viva“ in München, 2001 die Generalintendanz an der Deutschen Oper Berlin.

Heute wird Udo Zimmermann 60 Jahre alt – und bekommt vom Leipziger Reclam-Verlag ein Buch geschenkt („Man sieht, was man hört“: Udo Zimmermann über Musik und Theater, 260 S, 39,90 Euro). Dieser Geburtstagsband versammelt neben Aufsätzen, Reden, Werkanalysen und einer Bilddokumentation aus drei Jahrzehnten mehrere aktuelle Interviews. Selbstkritisch spricht Zimmermann mit Brunhild Matthias über sein Scheitern in Berlin, wo er nach nur zwei Spielzeiten von der Politik aus dem Amt gedrängt wurde. Offen berichtet er auch Frank Geißler von den Versagensängsten, die ihn seit der Zeit im Dresdner Kreuzchor peinigten. Weil Chorleiter Mauersberger die Knaben unerbittlich auf Perfektion und Disziplin trimmte, blockiere er sich noch heute in Konfliktsituationen seine Kreativität.

Für seine Zukunft hat sich Zimmermann die Messlatte hoch gelegt: Er will im legendären Festspielhaus Hellerau, vor den Toren Dresdens, eine „Europäische Werkstatt der Künste“ aufbauen, mit Weltstars wie William Forsythe. Sein letztes kompositorisches Werk, entstanden 1996, trägt übrigens den Titel „Ich bin eine rufende Stimme“. Das lässt sich durchaus autobiografisch interpretieren.

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