Kultur : Der Weg ist das Ziel

Jörg Königsdorf

Kein Musikfestival kommt in diesem Jahr um Mozart herum. Selbst eine eigentlich eher unmozartische Veranstaltung wie die Göttinger Händel-Festspiele nehmen sich „Händel im Spiegel Mozarts“ vor, und der Jubilar gelangte auch bei den Potsdamer Musikfestspielen in den Titel. Das Motto Wege zu Mozart nutzt Festival-Chefin Andrea Palent aber, um sich wieder zwei Wochen lang für zu Unrecht vernachlässigte Komponisten stark zu machen. Zum Beispiel für den 1706 geborenen Venezianer Baldassare Galuppi, der zusammen mit Carlo Goldoni eine Hand voll witzig-bissiger Musikkomödien schrieb – die große szenische Produktion der Festspiele im Schlosstheater, „Le Nozze di Dorina“, ist eine davon (ab 7. 6.). Beim Eröffnungskonzert am Freitag wird zwar auch Mozart gespielt (das rare Duo für Geige und Bratsche), im Zentrum des Abends steht jedoch sein Zeitgenosse Luigi Boccherini, der für den cellobegeisterten Friedrich Wilhelm II. ausgezeichnete Kammermusik schrieb: Die zwei Streichquintette und die Sonate für zwei Celli, die das Ensemble Explorations um den niederländischen Cellisten Roel Dieltiens aufs Programm gesetzt hat, erklingen im stimmungsvollen Palmensaal des von Friedrich Wilhelm angelegten Neuen Gartens. Quasi am Originalschauplatz. Auch wenn nicht überliefert ist, ob der König jemals unter Palmen spielte. (Infos und Karten: www.musikfestspiele-potsdam.de)

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