Kultur : Der Weltmeister

Kunst, Kommerz und Kuppeln: Heute feiert der Architekt Norman Foster seinen 70. Geburtstag

Bernhard Schulz

Alle, alle Ehrungen hat Norman Foster schon erhalten, die es in einem – zumal britischen – Architektenleben nur geben kann. Er erhielt vier Mal den renommierten Preis des Royal Institute of British Architects und 1999 den Pritzker Preis, den „Nobelpreis der Architektur“. 1990 wurde er zum Sir geadelt und knapp ein Jahrzehnt später zum Lord of Thames Bank. Quite fittingly – ist er doch der unumstrittene Primus der Londoner Architektenschaft, ein Rang, den er mit den spektakulären Bauten des neuen Londoner Rathauses am südlichen Themseufer und der gern als „gurkenförmig“ bezeichneten, 180 Meter hohen Hauptverwaltung eines Versicherungskonzerns in der City redlich verdient hat. Hierzulande kennt und schätzt man ihn natürlich als Baumeister des „neuen“ Reichstages – jenes Geniestreichs, der aus dem als düsteres Mahnmal unseliger Zeiten geschmähten Bauwerk das strahlende Symbol des wiedervereinten, demokratischen Deutschland gemacht hat.

Dabei ist Foster mitnichten ein Blender, sondern im Gegenteil ein stets technologisch unterkühlt auftretender Macher – der rechte Ansprechpartner für die Business World, der er rings um den Globus fulminante Gebäude-Maschinen geliefert hat. Seinen internationalen Ruhm begründete er spätestens 1986 mit einer mit haushohem Atrium überwältigenden Bankzentrale in Hongkong; später folgte das elegante Empfangsgebäude des Londoner Flughafens Stansted (1991), schließlich die Frankfurter Commerzbank von 1997, mit 259 Metern das bis vor kurzem höchste Haus Europas.

Foster ist ein Kosmopolit, berüchtigt für seine frühmorgendlichen Baustellenbesuche, zu denen er im eigenen Flugzeug anreist, und bewundert für seine glasklaren Vorträge, in denen er seinen Zuhörern noch die kompliziertesten Zusammenhänge von Gebäudetechnik, Energieoptimierung und Kosteneinsparung verständlich darlegt. So auch den Mitgliedern des Bundestages, der am Ende eindeutig für Fosters gläserne Kuppel stimmte und sein Votum durch deren anhaltende Beliebtheit beim Publikum gerechtfertigt sieht. Dass Foster zuvor Dutzende von Kuppel-Variationen vorlegte und damit seinen eigenen Wettbewerbsentwurf revidierte, entspricht seinem Stil: der Kunde – der Bauherr – ist König.

Foster ist der Welterfolg nicht in die Wiege gelegt worden; geboren wurde er 1935 in einfachen Verhältnissen in der Industriestadt Manchester. Zielstrebig absolvierte er sein Studium in Großbritannien und den USA und eröffnete 1963 sein erstes Büro – gemeinsam mit Richard Rogers, einem Mitstreiter technisch- funktional orientierter Architektur. Seit 1967 führt er sein Büro Foster and Partners mit inzwischen über 500 Mitarbeitern.

Wenngleich Kommerzgebäude die Grundlage seines geschäftlichen Erfolges bilden, brillierte Foster doch immer wieder mit Kulturbauten wie der Mediathek im südfranzösischen Nimes, die sich exakt auf den gegenüberliegenden römischen Tempel des Maison Carrée bezieht; dem äußerlich unscheinbaren, doch raumgewinnenden Erweiterungsbau der Londoner Royal Academy oder der spektakulären Glasüberdachung des gewaltigen Innenhofes des British Museum, wie auch seine Themse-Fußgängerbrücke eines der Millennium Projects des Jahres 2000. Bei ihr erlebte Foster sein Waterloo: Die Brücke schwankte und war erst von einem externen Ingenieurbüro zu bändigen. Eine Ausnahme.

Was er als Brückenbauer tatsächlich vermag, zeigte er mit einer an ihrer höchsten Stelle mehr als Eiffelturm-hohen Autobahnbrücke im gebirgigen Südfrankreich: ein Wunderwerk ästhetisch veredelter Technik. Technisch und funktional brillant dürfte auch das neue Londoner Wembley-Stadion werden, für das er mit dem 133 Meter hohen, das Dach tragenden Bogen ein einprägsames Bild lieferte. In Dresden ist die Rekonstruktion des Hauptbahnhofs im Bau – mit alt-neuer Kuppel. In Berlin-Dahlem entstand ein Bibliotheksbau für die FU: als organische Erweiterung der „Rostlaube“, deren Entwurf wiederum aus dem England jener Sechzigerjahre stammt, da Fosters eigene Laufbahn begann. Heute feiert seine Lordschaft 70. Geburtstag.

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