Kultur : Der Wunsch nach Unabhängigkeit

Andreas Schworck

Südtirol ist für viele Deutsche ein bevorzugtes Urlaubsziel. Aber nur Wenigen ist die bewegte Vergangenheit dieser Gegend bekannt. Dabei spiegelt die Geschichte Südtirols die Zeitläufte fast des gesamten 20. Jahrhunderts wider: Zunächst Annektion durch die Faschisten, das Zusammenspiel von Hitler und Mussolini, dann die Niederlage. Kalter Krieg, Abtrennung von Österreich und Anschluss an Italien mit halbherziger Gewährung von Autonomie. Gewaltsames Aufbegehren der deutschsprachigen Minderheit und schließlich die neue Autonomie durch Rom. Immer ging es um die Unabhängigkeit (oder Autonomie) von einer als "fremd" empfundenen Zentralmacht.

Das nun erschienene Buch ist die erste Gesamtdarstellung, die in wissenschaftlich knapper und dennoch überaus ansprechender Form die komplexe Südtirol-Problematik aufarbeitet. Auf Grund seines vergleichsweise knappen Umfangs ist das Buch vorzugsweise für all jene Leser interessant, die sich zum ersten Mal mit der Geschichte und Problematik dieser Region befassen wollen. In acht Kapiteln skizziert der Autor chronologisch die verschiedenen historischen Konfliktlinien, entlang derer sich die brisante Südtirol-Frage bewegt hat: Von der faschistischen Südtirolpolitik 1922-1938 über das Gruber-De-Gasperi-Abkommen 1948 bis hin zur historischen Streitbeteiligungs-Erklärung von 1992, die die lang erkämpfte "echte" Autonomie schließlich festschrieb.

Steininger stellt fest, dass trotz der Probleme und Enttäuschungen die historische Autonomie-Bilanz positiv sei. Das Ende der Grenzbalken zwischen Österreich und Italien im Rahmen der EU war nur der symbolische Schlusspunkt unter einen Streit, den nur einige Ewig-Gestrige noch als ungelöst betrachten.Rolf Steininger: Südtirol 1918-1999. Studien-Verlag, Innsbruck / Wien 1999. 120 Seiten. 16,50 DM.

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