Kultur : Der Zar lässt den Thron tanzen. Märchen-Ballett im Russischen Haus Berlin

Ines Altenrath

Kommt ein Vogel geflogen, von Moskau nach Berlin - die Federn frisch geputzt: Mitgebracht hat das Tier zwölf junge Tänzer und Tänzerinnen unter dem Etikett des legendären Instituts des Bolschoi Theaters und der Akademien von Perm und St. Petersburg. Sie entwickelten mit der Choreografin Irina Roerig für Berlin das Ballett "Der Blaue Vogel", das neben dem Tanz auch den Kulturdialog zwischen den Metropolen beleben will. Die Kompagnie gastiert im Theater des Russischen Hauses und hat Musik und Märchen aus der Heimat dabei: "Aus dem Paradies oder: Musa" wird in fünf Bildern im Stile des traditionellen klassischen Balletts getanzt. Die strahlende Anna Kokowina eröffnet als Muse den Reigen, lässt ihre Kollegen als Puppen tanzen, die einfach verschwinden. Doch ein roter Vogel rettet sie, verwandelt sich in einen Bären, gerät in den Bewegungsstrudel verschiedener Märchenfiguren. Die Inszenierung des verspielten Themas lebt nicht nur vom tänzerischen Hand- und Fußwerk, sondern vor allem von farbenfrohen und phantasievollen Kostümen, während die Bühnendekoration sich auf weiße Tücher beschränkt. Die Gewänder sind mit Rüschen, Spitzen und Strass besetzt, ganz wie in tschechischen Kinder-Märchenfilmen. Auch die Männer tanzen mal in Kleidern oder tragen halterlose Strümpfe, die aufreizend die muskulösen Beine umspielen. Einen leidenschaftlichen Liebes-Pas des Deux bietet die Aufführung nicht, aber Gulia Khalilowa und Wladimir Ischtschenko vollführen einen dramatischen Tanz, versinnbildlichen sie doch das, was zusammengehört: er als Zar, sie als Thron. Natürlich wäre die Darstellung von "Jelzin und die Macht" zeitgemäßer gewesen, aber auch musikalisch bediente sich das Ballett im letzten Jahrhundert. Die sinfonische Suite "Antar" von Nikolai Rimski-Korsakow und Modest Mussorgskis "Lieder und Tänze des Todes" werden vom Band eingespielt. Ob "Der Blaue Vogel" in Berlin ein warmes Nest bauen darf?Bis 12. September, Theater im Russischen Haus, Friedrichstraße 176, jeweils 20 Uhr.

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