Kultur : Der Zeitgenössische

Katrin Wittneven

Es gibt Kunstsammler, die kaufen passend zu ihrer Umgebung. Und es gibt echte Sammler - Besessene, die sich nach der Kunst einrichten, die sie erwerben. Zu ihnen gehörte der Unternehmer Rolf Hoffmann, der - wie erst jetzt bekannt wurde - am vergangenen Mittwoch im Alter von 67 Jahren seinem schweren Krebsleiden erlag.

1988 hatte Rolf Hoffmann seine in Mönchengladbach angesiedelte Hemdenfabrik verkauft und sich zusammen mit seiner Frau Erika von seinem neuen Standort Köln aus neuen Unternehmungen, vor allem aber der Kunst gewidmet. Mit dem Mauerfall entstand die Idee, die Sammlung nach Dresden zu geben. Nachdem das Vorhaben gescheitert war, entschieden sich Hoffmanns für Berlin. Im September 1997 richteten sie auf 1800 Quadratmetern in den Sophie-Gips-Höfen über den Dächern des gerade entstehenden neuen Szene-Zentrums von Berlin sich und ihrer Kunst eine neue Residenz ein. Grundstock dieser nach Anmeldung öffentlich zugänglichen, "bewohnten Sammlung" - wie Hoffmann sie nannte - waren Arbeiten aus den sechziger Jahren. In dieser Zeit hatten Hoffmanns das erste Werk erworben: eine Arbeit von Günther Uecker. Durch diese Mischung aus Öffentlichem und Privatem, aus Kunst und Leben wurde Rolf Hoffmann ein integraler Teil des Berliner Kulturlebens. Der im vergangenen Jahr erstmals verliehene "Preis der Freunde der Nationalgalerie" geht ebenso auf sein Engagement zurück wie ein "Artist in Residence"-Programm - und zahlreiche rauschende Feste, die Treffpunkt der internationalen Kunst waren. Die aktuelle Kunst förderte er mit Begeisterung, die Berliner Szene betrachtete er mit kritischer Anteilnahme. Beides wird fehlen.

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