Kultur : Der Zwirbler

Bob Geldof rockt im Berliner Huxley’s

Als Organisator von Wohltätigkeitsveranstaltungen ist Geldof prominent geworden, doch seinen eigentlichen Beruf scheint kaum noch jemand zu kennen. Als er in den siebziger Jahren als großmäuliger Sänger der irischen Punk-Band The Boomtown Rats einige Hits in die Charts geballert hatte, hätte sich niemand vorstellen können, dass dieser Bob Geldof zum politischen Aktivisten mutieren und damit noch größere Berühmtheit erlangen sollte. Auch wenn das bestuhlte Huxley’s sowie ein Blick übers gesetzte Publikum vielleicht tatsächlich ein Referat zur Hungerhilfe hätten erwarten lassen, wird man eines Besseren belehrt. Wie er elektrisiert im silbergrauen Anzug mit wehender grauer Mähne über die Bühne wirbelt, mit der Linkshänder-Akustik-Gitarre um die eigene Achse zwirbelt, mit Hochspannungsstimme ins Mikro schmirgelt, mit phrasing und Timbre bleibt kein Zweifel: Bob Geldof ist Rock’n’Roller durch und durch.

Mit Akkordeon, Fiddle und Tin Whistle durchstürmen keltische Folk-Klänge aus Geldofs irischer Heimat „The Great Song Of Indifference“. Schweres R&B-Hammond-Grollen, brillanter fünfstimmiger Harmoniegesang und ledzeppelinige Ah-Hah-Hah-Hahs in „A Sex Thing“. Dunkler Dschungel-Beat mit dräuendem Riff und exquisit angeschrägtem Solo vom Gitarristen John Turnbull zu „Systematic Six-Pack“. Der Song stammt von Geldofs jüngstem Album „How To Compose Popular Songs That Will Sell“. „How I Roll“ zitiert melodisch eine Zeile der Lovin’ Spoonful von 1966 und mutiert den Text „hot town summer in the city“ zu „hard times living in this city“. Überhaupt spielt Geldof gerne mit den Melodien und Wörtern anderer. „But there are many here among us, who feel the sight is but a joke“ singt er im dunklen Song „How I Roll“ aus dem düsteren Album „Sex Age & Death“ (2001) und lässt „All Along The Watchtower“ von Bob Dylan durchscheinen.

Die Fans singen Geldof, der vor kurzem 60 geworden ist, ein Geburtstagsständchen, und er ballert ihnen mit „Joey’s On The Street Again“, „Mary Of The Fourth Form“ und „The Rat Trap“ einige Hits seiner Boomtown Rats um die Ohren. Geldof kann’s immer noch. Vielleicht sollte er häufiger auftreten. H. P. Daniels

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