Kultur : Derricks Vater

Alfred Weidenmann wird 80Es gibt im Bereich des deutschen Films und Fernsehens wohl kein anderes Gespann, das länger und erfolgreicher zusammengearbeitet hat.Dessen sind sich viele kaum bewußt.Noch ungewöhnlicher: Der Autor Herbert Reinecker ist bekannter geworden als der Regisseur Alfred Weidenmann, der heute seinen achtzigsten - nach manchen Quellen seinen zweiundachtzigsten - Geburtstag feiert.Als Väter von "Derrick" haben sie Fernsehgeschichte geschrieben.Rasch machte der Stuttgarter Fabrikantensohn Karriere, gewann 1936 einen Amateurfilmwettbewerb, bereiste Europa für Zeitungen und schließlich für die "Reichsjugendführung", für die er auch erste Kurzfilme inszenierte.Aus den Tagen bei jener NS-Institution rührt Weidenmanns Freundschaft mit Reinecker her, deren erstes Produkt 1944 der Spielfilm "Junge Adler" war.Nicht nur in jenem Streifen um Halbwüchsige in einer Flugzeugfabrik schlug sich Weidenmanns Vorliebe für Jugendthemen nieder, er schrieb auch Jugendromane, von denen der Kinderkrimi "Gepäckschein 666" der erfolgreichste werden sollte.Denn auch Weidenmann konnte seine Karriere nach 1945 fast bruchlos fortsetzen, inszenierte 1959 die erste "Buddenbrooks"-Adaption, wurde später zu einem der meistbeschäftigten TV-Regisseure.Herbert Reinecker blieb dabei sein bevorzugter Drehbuchautor, von der Ehekomödie "Ich und Du", 1953 Weidenmanns erster abendfüllender Nachkriegsfilm, bis hin zu "Derrick"-Episoden aus jüngster Zeit.Bis heute wird gestritten, ob sich Weidenmann und Reinecker mit "Canaris", dem 1954 entstandenen Portrait des Chefs der deutschen Spionageabwehr, der sich gegen die Nazis wandte und von diesen hingerichtet wurde, ernsthaft von ihrem zweifelhaften Wirken zu Zeiten des Nationalsozialismus distanziert haben. Gym

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben