Dessau : Bauhaus glänzt zum 80. in Originalfarben

Im Gegensatz zur Gründerzeitarchitektur, die Patina ansetzen darf, strahlt das Bauhaus in Dessau ganz seiner Bestimmung verpflichtet zum Jubiläum am ersten Dezemberwochenende in frischem, aber altem Glanz.

Dessau - Moderne ist dazu verdammt, immer jung aussehen zu müssen. Auch mit 80 Jahren. Die Schönheitskur des Bauhaus wurde pünktlich zum Geburtstag abgeschlossen. Nun zeigt sich die von Walter Gropius (1883-1969) ins Leben gerufene, weltberühmte Designerschule weitgehend im farbigen Originalbild ihres Gründungsjahres 1926. Zehn Jahre dauerte die Generalüberholung des Schulgebäudes aus Glas, Beton und Stahl. Als eine "archäologische Tätigkeit" beschreibt der Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, Omar Akbar, die 17 Millionen Euro teure Sanierung. Dabei seien grundlegende Strukturen restauriert und rekonstruiert, gleichzeitig auch historische Spuren der Veränderung erhalten worden.

Das "gebaute Manifest der Bauhausidee", eine auf Funktionalität gerichtete Einheit von Kunst und Technik, stand zuletzt auf wackligen Beinen. Die Stützen im Kellerbereich hätten das Haus nur "noch aus Gewohnheit" getragen, sollen die Statiker dem Stiftungsdirektor erzählt haben. Zudem seien die Bauarbeiter auf eine Schlamperei gestoßen. Gropius habe vergessen, Trennfugen zwischen den Bauhaus-Kuben einzuplanen, berichtet Akbar. Risse im Gebäude seien deshalb mit der Zeit unvermeidbar. Doch die gesamte Struktur ist so korrigiert worden, dass die nächsten Reparaturen "erst wieder in 50 Jahren anstehen".

Unerwartete Farben

Als "absolute Überraschung" habe sich die Aula erwiesen. "Im Gedächtnis aller war die Bühne des Saals immer schwarz", erklärt Akbar. Doch die Bauarbeiten hätten es zu Tage gefördert: Sie sei im Ursprung weiß gewesen, erzählt der Stiftungschef. Auch die Bestuhlung, vom Bauhaus-Tischlermeister Marcel Breuer (1902-1981) entworfen, sei wie in den 20er Jahren wieder zur grau-bräunlichen Farbgebung zurückgeführt worden. Der Aula-Boden glänze in Anthrazit.

Bei der Wandbemalung mussten die Handwerker bei der Ursprungsfarbe "orakeln". Außer konzeptionellen Grundlagen von Hinnerk Scheper (1897-1957), dem Bauhausjungmeister der Werkstatt für Wandmalerei, habe es keinen Plan gegeben. Auch die erhaltenen Schwarz-Weiß-Fotografien hätten keine Hinweise liefern können, sagt der Direktor.

Dutzende Farbschichten auf den Wänden

Nicht nur die Nazi-Herrschaft und die Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges hinterließen ihre Spuren in dem Gebäude. Die Rekonstruktionsarbeiten in den 70er Jahren taten ein Übriges. Dutzende Farbschichten mussten von den Wänden geschliffen werden, um den farbigen Wurzeln näher zu kommen.

Die imposante Glasvorhangfassade des Unesco-Weltkulturerbes sieht aus wie zur Eröffnung der Schule, ist aber auf Grundlage des denkmalgerechten Wiederaufbaus in der DDR lediglich instand gesetzt worden. Dabei konnte auch Ursprüngliches verbaut werden, das in einem Schrebergarten in Dessau entdeckt wurde. Dort hatten die Bauhäusler auf Streifzügen eine originale Umrahmung der gläsernen Außenwände des Gropius-Baus ausfindig gemacht. Mit dem Gärtner sei "ein Deal" verhandelt worden, schildert Akbar. Nun sei das historische Stück wieder an seinem angestammten Platz zu sehen. "Wir sind ganz nah am Original dran", sagt Akbar über die Sanierung des Bauhauses. (Von Sandra Hänel, ddp)

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