Kultur : Deutsch: gut

Das Goethe-Institut hilft in der Krise.

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Die deutsche Bundeskanzlerin mag in Griechenland oder Portugal schwer unbeliebt sein, gar verhasst. Beim Goethe-Institut sieht die Sache ganz anders aus. Die Filialen in Lissabon, Madrid und Athen, wo man jüngst das 60-jährige Bestehen des Instituts feierte, erfreuen sich eines stetig wachsenden Zuspruchs. Vor allem junge Menschen, die im eigenen Land ohne Chance auf Arbeit sind, nehmen das Angebot des deutschen Kulturinstituts an. „Die Neugier auf Deutschland ist groß“, sagte Goethe-Präsident Klaus-Dieter Lehmann auf seiner Jahrespressekonferenz in Berlin. Fremdsprachenkenntnisse ermöglichen Mobilität in Europa, zwischen Süd und Nord. In der Krise ist das Institut Profiteur und Helfer zugleich.

Rund 200 000 Menschen haben 2012 in den 136 Goethe-Dependancen weltweit Deutschkurse belegt; eine Steigerung um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 38 000 Menschen sind nach Deutschland gekommen, um hier die Sprache zu lernen: eine Steigerungsrate von 17 Prozent. Das hilft dem Goethe-Institut auch finanziell. Der Gesamtetat von 365 Millionen Euro umfasst ein Drittel Eigeneinnahmen, die Zuwendungen vom Auswärtigen Amt beliefen sich auf 233 Millionen. Im nächsten Jahr werden hier 3,7 Millionen gekürzt – worauf das Goethe-Institut flexibel reagieren kann. Lehmann verbreitet großen Optimismus, spricht von einem „ermutigenden Jahr“.

So soll es weitergehen. Goethe-Generalsekretär Johannes Ebert kündigt für 2013 die Eröffnung eines Instituts in Myanmar an, das asiatische Land befinde sich in einer der Phase der Öffnung  – während es in Kairo darum geht, die Stimmen der Freiheit und Demokratie zu stabilisieren. Dort liegt das Institut nur wenige Meter vom Brennpunkt der Auseinandersetzungen entfernt. Die Tahrir-Lounge im Goethe-Institut hat Tradition. Entscheidende Begriffe für die Goethe-Arbeit sind Freiraum und Plattform. Man richtet sie für Künstler und Intellektuelle ein, gibt ihnen die Möglichkeit, sich weiterzubilden oder überhaupt einmal mehr oder weniger professionell zu arbeiten. Am Beispiel des Goethe-Instituts Khartum hat Lilli Kobler eindrucksvoll gezeigt, wie man unter so schwierigen Bedingungen eine junge „Sudan Film Factory“ aufzieht.

Aber es sind die Nachbarn, die mehr und mehr in den Mittelpunkt der Aktivität rücken. „Europa ist ein gemeinsames kulturelles Projekt“, sagt Ebert. Und „jede Generation muss sich Europa neu erarbeiten.“ Ein europäischer Kulturkanon könnte dabei hilfreich sein. In einer dreimonatigen Online-Befragung will Goethe in zwanzig Ländern die „Europa-Liste“ eruieren, mit dem wichtigsten Gebäude, dem wichtigsten historischen Ereignis etc. Es gibt freilich auch Phänomene, die nicht der Euro- und Europa-Krise geschuldet sind, zum Beispiel die nach wie vor wachsende Beliebtheit des Deutschen in Indien. Eine Million Schüler werden dort in den nächsten Jahren Deutschunterricht bekommen. Für Indien vielleicht keine so große Zahl, für unsere Verhältnisse ist es riesig. Rüdiger Schaper

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