• Deutsch-türkisches Anwerbeabkommen: Interview: "Wer die Sprache nicht beherrscht, bleibt auf der untersten Stufe"

Kultur : Deutsch-türkisches Anwerbeabkommen: Interview: "Wer die Sprache nicht beherrscht, bleibt auf der untersten Stufe"

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Vural Öger (59) ist Reiseunternehmer und war Mitglied der Süssmuth-Kommission, die ein Zuwanderungskonzept für die Bundesregierung ausarbeitete.

Herr Öger, wovon hängt es ab, ob sich türkische Einwanderer in Deutschland gut integrieren oder nicht?

Das hat aus meiner Sicht viel mit der Herkunft der Menschen zu tun. Wer aus der Großstadt kommt, hat kaum Anpassungsschwierigkeiten. Die meisten der Migranten stammen aber vom Land, aus kleinen Dörfern. Ihnen fällt es schwer, sich in Deutschland einzuleben.

Das trifft aber doch nur auf die erste Migrantengeneration zu. Was ist mit denen, die hier geboren wurden?

Die Probleme setzen sich fort. Eltern, die hier selbst kaum am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, können ihre Kinder nicht motivieren, eine gute Schulbildung oder Ausbildung anzustreben. Allerdings muss man sagen, dass diese Menschen ja mit dem Vorsatz hergekommen sind, nur eine begrenzte Zeit in Deutschland zu leben. Und auch die deutsche Seite hat sich aus diesem Grund nicht sehr um ihre Integration bemüht.

Wie hat sich dies verändert?

Die Entwicklung ist eindeutig positiv. Ich sehe heute in allen Branchen türkischstämmige Mitarbeiter, die gute berufliche Perspektiven haben. Der soziale Status der Türken hat sich deutlich verbessert. Das bedeutet aber nicht, dass sie ihre Kultur völlig aufgegeben haben. Entscheidend für mich ist, dass sich Deutsche und Migranten auf bestimmte Werte, auf die Grundsätze in der Verfassung verständigen. Hier sehe ich kein Problem, da auch die Türkei ein demokratischer, laizistischer Staat ist. Darüber hinaus ist die deutsche Gesellschaft nicht zuletzt durch die türkischen Einwanderer vielfältiger und interessanter geworden.

Macht die aktuelle Terrordiskussion das Zusammenleben schwerer?

Das glaube ich nicht. Die Türkei ist wesentlich enger mit Europa als mit der arabischen Welt verbunden. Die Konflikte dort haben mit der Türkei nichts zu tun. Auch der Islam hat einen anderen Stellenwert, denn in der Türkei ist die Religion reine Privatsache.

Sie selbst sind ein Musterbeispiel für die Integration von Türken in Deutschland. Welche Erfahrungen haben Sie persönlich gemacht?

Ich kam Ende der sechziger Jahre zum Studium nach Deutschland und hatte eigentlich nie Probleme. Auch nicht, als ich mich 1969 selbstständig machte. Damals habe ich zunächst nur Charterflüge für türkische Gastarbeiter angeboten. Als die Türkei dann als Urlaubsland attraktiv wurde, konnte ich mein Angebot erweitern.

Wie viele Menschen beschäftigen Sie heute?

In Deutschland haben wir 220 Mitarbeiter, etwa 150 davon sind Deutsche. In der Türkei arbeiten etwa 6000 Menschen für uns. In diesem Jahr rechnen wir erstmals mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Mark.

Sie waren auch Mitglied der Einwanderungskommission der Bundesregierung. Welche Vorschläge haben Sie dort eingebracht?

Sprach- und Integrationskurse sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. Darüber herrschte Einigkeit in der Kommission. Ich persönlich kann jedem Einwanderer nur empfehlen, sich um berufliches Fortkommen zu bemühen, denn nur so ist ein gesellschaftlicher Aufstieg möglich. Wer nicht einmal die Sprache beherrscht, hat sich entschieden, auf der untersten gesellschaftlichen Stufe zu bleiben.

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